Login
Wirtschaftliche Bedeutung

Landwirtschaft ist Schlüsselbranche

Melkstand
Thumbnail
Ulrich Graf, Wochenblatt
am
28.12.2016

Berlin - Die Land- und Forstwirtschaft einschließlich der Fischerei ist als Teil der Volkswirtschaft in Deutschland nach wie vor ein bedeutender Wirtschaftsbereich. Ihr Anteil an der Bruttowertschöpfung macht heute (2015) zwar nur 0,6 Prozent und an den Erwerbstätigen rund 1,5 Prozent aus, doch ist die volkswirtschaftliche Bedeutung der Landwirtschaft wesentlich größer.

Wie aus dem kürzlich veröffentlichten Situationsbericht des Deutschen Bauernverbandes hervorgeht, erzielte die deutsche Land-, Forstwirtschaft und Fischerei 2015 einen Produktionswert von 52,0 Milliarden Euro. Das ist erheblich mehr als der Produktionswert des gesamten deutschen Textil-, Bekleidungs- und Schuhgewerbes mit 23,5 Milliarden Euro, des Papiergewerbes mit 37,5 Milliarden Euro oder der pharmazeutischen Industrie mit 46,0 Milliarden Euro.

Darüber hinaus sind Landwirte ein wichtiger Wirtschaftsfaktor im ländlichen Raum. Sie fragen viele Betriebsmittel, Investitionsgüter und Dienstleistungen nach. Es sind vor allem kleinere und mittlere Betriebe aus Handel, Handwerk und Gewerbe, die wirtschaftlich stark mit der Landwirtschaft verbunden sind. Viele Höfe nutzen darüber hinaus eine breite Palette von Dienstleistungen. Diese reichen von der Beratung in betriebswirtschaftlichen, rechtlichen und produktionstechnischen Fragen, über Wartungsarbeiten bis hin zur Tiergesundheits- und Qualitätsüberwachung. Die produktionsbedingten Ausgaben der deutschen Landwirtschaft betrugen im Jahr 2015 44,1 Milliarden Euro, wovon 9,5 Milliarden Euro auf Investitionen in Bauten und Maschinen entfallen. Zu den betriebsbedingten Ausgaben kommen u. a. die privaten Konsumausgaben der Land- und Forstwirte, die sich 2015 auf 8,3 Milliarden Euro beliefen.

Volkswirtschaftliche Eckdaten des Sektors Land-, Forstwirtschaft und Fischerei (2015)

  • Produktionswert: 52,0 Milliarden Euro (-8,8 Prozent gegenüber 2014)
  • Bruttowertschöpfung: 17,4 Milliarden Euro (-15,1 Prozent gegenüber 2014)
  • Erwerbstätige: 637.000 Personen (-1,8 Prozent gegenüber 2014)
  • Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigen: 27.200 Euro (-13,5 Prozent gegenüber 2014)

Quelle: Statistisches Bundesamt 

Jeder 9. Arbeitsplatz steht mit dem Agribusiness in Verbindung

Das Agribusiness umfasst die gesamte Lebensmittelkette und damit alle Schritte von der Urproduktion bis zum Verbraucher: Die Landwirtschaft gewinnt mit Produktionsmitteln aus den vorgelagerten Wirtschaftsbereichen die pflanzlichen und tierischen Rohstoffe, die vom Ernährungsgewerbe, also dem Handwerk und der Industrie, weiterverarbeitet werden. Hinzu kommen der Lebensmittelgroß- und -einzelhandel sowie die Gastronomie.

Das Agribusiness hatte in 2015 in rund 750.000 Betrieben insgesamt 4,6 Millionen Beschäftigte. Damit sind rund 11 Prozent aller Erwerbstätigen direkt oder indirekt damit beschäftigt, Menschen mit Essen und Trinken zu versorgen bzw. pflanzliche Rohstoffe für Nicht-Nahrungsmittelzwecke zu erzeugen. Ein Großteil dieser Arbeitsplätze – vor allem in Landwirtschaft, Gastronomie, Handwerk und Einzelhandel – ist im ländlichen Raum angesiedelt. Mit zahlreichen attraktiven Ausbildungsberufen und -plätzen stellt das Agribusiness jeden 10. Ausbildungsplatz in Deutschland. So starten jedes Jahr rund 270.000 junge Menschen im Agribusiness in ihr Berufsleben.

Der Erwerbstätigenanteil der Landwirtschaft am gesamten Agribusiness beträgt knapp 14 Prozent. Das heißt: Einem landwirtschaftlichen Arbeitsplatz stehen sieben weitere Arbeitsplätze in den vor- und nachgelagerten Wirtschaftsbereichen gegenüber. Das gesamte Agribusiness erbrachte 2015 einen Produktionswert von geschätzten 445 Milliarden Euro oder gut 8 Prozent des gesamtwirtschaftlichen Produktionswertes. Gemessen an der volkswirtschaftlichen Bruttowertschöpfung beträgt der Anteil des Agribusiness gut 6 Prozent.

Landwirtschaftlicher Erwerbstätigenanteil bei 1,5 Prozent

In Deutschland übten im Jahr 2015 637.000 Personen oder 1,5 Prozent aller Erwerbstätigen ihre überwiegende Erwerbstätigkeit in der Land-, Forstwirtschaft und Fischerei aus. 45 Prozent der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft sind als eigenständige Unternehmer tätig. Ihr Anteil an den Selbständigen in Deutschland beläuft sich auf 6,6 Prozent. Gemessen am gesamten Arbeitsvolumen der deutschen Wirtschaft beträgt der Anteil der Land- und Forstwirtschaft 1,8 Prozent.

Auch interessant