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Ölkürbis

Den Markt gemeinsam steuern

Stachelwalze Ölkürbis
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Sandra Schwägerl, Wochenblatt
am
25.01.2018

Sieben Jahre Pramoleum: Genossenschaftsobmann Alois Selker sprach mit dem Wochenblatt über den Ölkürbisanbau und seine Ideen, wie man die Landwirtschaft noch zukunfts- und salonfähiger machen könnte.

Genossen Pramoleum

Ölkürbisanbau in Österreich, ganz klar ein steirisches Thema? Dem ist nicht so, erfahren wir im Gespräch mit Alois Selker, dem Obmann der oberösterreichischen Genossenschaft pramoleum.

Die Menge an geernteten Ölkürbiskernen Niederösterreichs sei laut Selker seit jeher gleichauf mit der steirischen – und seit sieben Jahren mischt auch Selker selbst in Oberösterreich mit. Sein ursprüngliches Ziel war, eine alternative Eiweißquelle für seine Rinder zu finden, nämlich den Presskuchen von Kürbiskernen. Doch ganz schnell war klar: Alleine geht das nicht, zu viel Infrastruktur sei notwendig, um den Presskuchen als Koppelprodukt des Kürbiskernöls zu erhalten.

Als eine Verkettung „komischer Umstände“ bezeichnet Alois Selker das Zustandekommen der Genossenschaft und doch: „Am 22. November 2010 war die Geburtsstunde von pramoleum.“ Der Genossenschaftsname pramoleum steht für Öl aus dem Pramtal, erläutert deren Obmann.

Über einen Kollegen aus dem Kurs zum Landwirtschaftsmeister lernte Alois Selker vier weitere Landwirte aus dem Umkreis kennen, die bereits in Handarbeit Ölkürbis anbauten. Nach wenigen Gesprächen war ihnen bewusst, sie wollen ein Projekt starten, das über Presskuchen und Kürbiskernproduktion hinausgeht. In der folgenden Saison begannen sie damit gemeinsam auf 10 ha, im Jahr 2016 waren es 800 ha – auf österreichischem und auch auf bayerischem Boden. Die fünf Genossenschaftsgründer nahmen rund 70 Landwirte unter Vertrag, die auf diesen Flächen für pramoleum Ölkürbis anbauen. Im vergangenen Jahr habe es Überproduktion gegeben, deshalb sind die Genossen im vergangenen Jahr zur Marktbereinigung auf 200 ha zurückgegangen, berichtet Selker, und auch heuer wolle man nach derzeitigen Planungen bei dieser Anbaufläche verbleiben.

Auch in der landwirtschaftlichen Ausbildung sollten die Themen Vermarktung und Vertrieb einen höheren Stellenwert bekommen, so Alois
Selkers Appell: „Man lernt so viel über die landwirtschaftliche Produktion, aber zu wenig darüber, wie es mit den erzeugten Produkten weitergeht.“

Weg vom Gummistiefel-Image

Schloss Sigharting

Die Landwirte müssten mehr Verständnis für die Konsumenten entwickeln und sich krisensicherer aufstellen. Die enorme Bandbreite, wie man diese Themenbereiche abhandeln könnte, ist Selker bewusst. Konkret vorstellen kann er sich hingegen ein Projekt zur Stärkung der „Marke Ich“, wie er es nannte. Ein Projekt, das den Schülern beibringt, wie man sich nach außen präsentiert und auf sein Gegenüber wirkt. Frei gesagt: „Weg vom Gummistiefel-Image“.
In der Präsentation der Betriebe sieht der Landwirtschaftsmeister ebenfalls Handlungsbedarf. „Wir reagieren nur, wenn wir angegriffen werden. Stattdessen sollten wir vorher Transparenz geben“. Die Landwirte müssten laufend agieren und auf die Leute zugehen. „Wir müssen uns nicht verstecken“, da ist sich Selker sicher. Was in der Tagespresse lande, seien Skandalmeldungen aus der Landwirtschaft, es fehle das Gegengewicht dazu, wie es im Normalfall laufe.
Und im Normalfall erntet pramoleum 700 kg Kürbiskerne pro ha. Diese werden nach der Ernte mit Leitungswasser gewaschen und anschließend auf eine Restfeuchte von 8 % getrocknet. Das alles geschieht im oberösterreichischen St. Willibald mit Solarenergie. Die getrockneten Kerne werden bei 7 – 8 °C eingelagert und halten sich laut Selker mindestens zwei Jahre.

Entnommen werden die Kerne bedarfsgerecht, um zu Kürbiskernöl, Kürbiskeksen oder anderen Produkten weiterverarbeitet zu werden. Laut der Landwirtschaftskammer Niederösterreich werden für einen Liter Kürbiskernöl etwa 2,4 kg Kerne benötigt, die Pressung der pramoleum-Kerne erfolgt allerdings in der Steiermark, dort habe man die notwendige Infrastruktur zuhauf. Die Knabberkekse werden in Handarbeit von Alois Selkers Frau und deren privaten Helferinnen und Helfern produziert. „Große Mengen können wir so nicht herstellen“, kommentiert der Genossenschaftsobmann diese Produktsparte.

Drei Generationen im Familienbetrieb

Selker Portrait

Denn neben dem Einsatz für pramoleum bewirtschaftet Familie Selker den eigenen Rinder haltenden Landwirtschaftsbetrieb mit einer Gesamtfläche von 56 ha, davon seien 6 ha Wiesen. Die Rinder unterteilen sich in Stiermast und Milchvieh mit eigener Nachzucht.

Die Eltern des umtriebigen Betriebsleiters sind in den Familienbetrieb integriert und auch Alois Selkers vier Kinder inte­ressieren sich für die Landwirtschaft, erzählt er. Zwischen 80 und 90 Tiere seien derzeit am Hof, erläutert Selker und ergänzt schmunzelnd: „Die Höhe des Tierbestands hat sich schon dem Arbeitsaufwand von pramoleum angepasst.“

Würdige Plattform für Presskuchen gesucht

Trockner Kürbiskerne

Den Presskuchen fressen nun tatsächlich diese Rinder, aber das ist nicht alles. „Wir versuchen, dem hochwertigen Produkt eine bessere Plattform zu bieten, als es nur als Futtermittel zu verwerten.Wir kooperieren mit Schulen und auch mit dem Josephinum Wieselburg, die Produktionsversuche mit dem Kürbispresskuchen machen“, verrät der Genossenschaftsobmann.

Auch Privatpersonen holen sich demnach immer wieder Presskuchen zum Brotbacken. Während im Bereich Produktentwicklung kürzlich innovative Produkte wie Kürbiskernschmalz auf den Markt kamen, versuche man bei der Feldproduktion zunächst, das Bestehende auszubauen, berichtet Selker.

Neben der Herstellung von Kürbiskernprodukten erzeugt die Genossenschaft Spezialkulturen wie Kümmel und Mohn. Vermarktet werden die pramoleum-Produkte außer in Österreich in Edeka-Märkten im benachbarten Bayern, bei Rewe in Südwestdeutschland und sogar in England.

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