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Ernte 2017

Mittelmäßige Ernte in Bayern erwartet

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Ulrich Graf, Wochenblatt
am
26.07.2017

Weßling, Lkr. Starnberg - Das bayerische Landwirtschaftsministeriumm geht von einer Getreideernte von rund 6,8 Millionen Tonnen aus, der Bauernverband von etwas unter 6,7 Millionen.

Für die bayerischen Bauern hat das Jahr 2017 bereits viele Überraschungen gebracht. Auf einen kalten, aber viel zu trockenen Winter und das ungewöhnlich warme Frühjahr folgten Schnee und Frost im April und trockene Wochen vor der Ernte. „Wegen diesem Auf und Ab auf den Feldern rechnen wir heuer nur mit einer leicht unterdurchschnittlichen Ernte in Bayern“, sagte Bauernpräsident Walter Heidl bei der gemeinsamen Erntepressefahrt des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) und des Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF), die heute im Landkreis Starnberg stattgefunden hat. Damit wird die Erntemenge etwas unter dem langjährigen Mittel von 6,7 Mio. Tonnen (ohne Körnermais) oder 72 dt/Hektar liegen.

Die Pflanzen haben sich in diesem Frühjahr wegen der warmen Witterung sehr schnell entwickelt – bis im April der Winter zurückkam. „Das Getreide hat die kühlen Temperaturen relativ gut weggesteckt, doch beim Wein, bei Erdbeeren, bei Äpfeln und anderen Obstblüten sind zum Teil massive Schäden entstanden“, sagte BBV-Getreidepräsident Hermann Greif. Die Zeit bis zur Ernte war dann in vielen Regionen Bayerns durch geringe Niederschläge gekennzeichnet. „Durch die knappe Wasserversorgung und Temperaturen von mehr als 30 Grad sind die Getreidebestände heuer schnell abgereift“, sagte Greif. Sowohl der Raps als auch der Weizen wurden vor der Reife von der Hitzeperiode voll erwischt. Je nach Bodenqualität und Sorte konnten die Pflanzen diese Trockenperiode jedoch zum Teil gut überstehen. „Bereits auf einem einzelnen Acker gibt es enorme Unterschiede bei den Erträgen“, sagte Greif.

Auch wegen des relativ geringen Krankheitsdrucks in diesem Jahr könnte es bei Weizen aber trotzdem insgesamt noch zu knapp durchschnittlichen bis leicht unterdurchschnittlichen Erträgen reichen. In der Ernteumfrage des Bayerischen Bauernverbandes geht die Hälfte der Teilnehmer mit Weizenanbau von einer durchschnittlichen Ernte aus, 27 Prozent von einer guten und sechs Prozent von einer sehr guten Ernte. 23 Prozent erwarten einen vergleichsweise niedrigen bzw. drei Prozent einen sehr niedrigen Ertrag.

Auch bei den Kartoffeln ergibt sich ein sehr heterogenes Bild. 50 Prozent der Kartoffelbauern rechnen mit sehr guten bis guten Erträgen, 14 Prozent erwarten durchschnittliche Erträge, 36 Prozent gehen von niedrigen oder sehr niedrigen Erträgen aus. „Viele Äcker wurden bei guten Bedingungen bepflanzt, doch das kalte Wetter rund um Ostern sorgte für Stillstand. Die anschließende Trockenheit konnte vielerorts nur dank Bewässerung überbrückt werden. Bei den Frühkartoffeln sind nur geringe Erträge zu verzeichnen, die späteren Bestände brauchen im Juli und August noch gute Witterung“, sagt Greif.

Der Getreidemarkt ist immer noch geprägt von weltweit mehreren Rekordernten hintereinander. Ähnlich wie im vergangenen Jahr wird in Europa in diesem Jahr mit geringeren Erträgen gerechnet, die Lagerbestände werden voraussichtlich nochmals abnehmen. „Nachdem der Getreidepreis über Monate am Boden lag, reagieren die Börsen auf diese neue Situation nun mit ersten Ausschlägen nach oben“, sagte Greif. Kurzzeitig kletterte der Weizenpreis an der Warenterminbörse MATIF am 11. Juli 2017 auf 181,75 Euro pro Tonne. Doch der Kurs auf dem globalen Markt hat wieder nachgegeben. „Die Preise, die Bauern für den Weizen erhalten, sind deshalb wieder auf ein ähnlich niedriges Niveau wie in den vergangenen Jahren gefallen“, sagte Greif.

Ministerium geht von durchschnittlicher Ernte aus

Das hat Landwirtschaftsminister Helmut Brunner bei der diesjährigen Erntepressefahrt im Landkreis Starnberg mitgeteilt. „Fast überall in Bayern war es in diesem wärmsten Juni seit fast 140 Jahren zu heiß und an vielen Orten auch deutlich zu trocken“, so der Minister. Nach seinen Worten waren vor allem auf flachgründigeren Böden bei Weizen und Raps deutliche Schäden zu verzeichnen. Die Ertragsaussichten bei diesen Kulturen sind deshalb zwar regional sehr unterschiedlich, insgesamt aber unterdurchschnittlich. Die Wintergerstenernte hingegen wurde mit überdurchschnittlichen Erträgen bereits abgeschlossen. Beim Grünland zeichnet sich ebenfalls eine durchschnittliche Lage ab. Erfreulich sind dem Minister zu Folge die aktuell landesweiten Niederschläge für Kartoffeln, Zuckerrüben und Mais: „Der Regen ist bei den Hackfrüchten ein Segen, denn er sorgt hier nach dem verzögerten Start im Frühjahr für einen ordentlichen Wachstumsschub“, so Brunner.

Bei den Anbauflächen gab es im Vergleich zum Vorjahr nur leichte Veränderungen: Die Getreidefläche ist mit etwas über einer Millionen Hektar fast unverändert geblieben. Winterweizen, die wichtigste Brotgetreideart, wurde auf etwa 489.000 Hektar angebaut. Obwohl das rund 10.000 Hektar weniger sind als im vergangenen Jahr, braucht laut Brunner niemand Engpässe bei Brot oder Semmeln zu befürchten. Auch bei Wintergerste ist die Anbaufläche um etwa 13.000 auf 227.000 Hektar zurückgegangen. Bei der Sommergerste hat sich dagegen der jahrelange Abwärtstrend umgekehrt. Die Anbaufläche ist um rund 7.500 auf fast 99.000 Hektar gestiegen. Auch bei Zuckerrüben wurde der Anbau um mehr als 10.000 auf nun etwa 71.000 Hektar ausgedehnt. Grund dafür ist der Wegfall der seit Jahrzehnten bestehenden Zucker-Marktordnung. Stabil ist die Dauergrünland-Fläche mit über einer Million Hektar.

Sehr erfreulich ist nach Aussage des Ministers, dass auch in diesem Jahr der Anstieg bei Eiweißpflanzen anhält. Vor allem bei den Sojabohnen ist die Anbaufläche um mehr als 30 Prozent auf rund 8.600 Hektar gewachsen. „Das gibt unserer Bayerischen Eiweißinitiative noch einmal Rückenwind, mit der wir unsere Bauern unabhängiger von Soja-Importen aus Übersee machen wollen“, so Brunner. Insgesamt stieg die Anbaufläche von Leguminosen wie Luzerne, Ackerbohnen, Erbsen und Soja auf über 51.000 Hektar.

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