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Sortenrecht

Nachbau kostet

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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
27.04.2017

München - Mais, Raps, Rüben – drei Kulturen, die (fast) komplett auf Hybridsaatgut basieren. Bayerische Züchter spielen dabei so gut wie keine Rolle. Weltweit beherrscht auch im Saatgut der Patentschutz den Marktzugang.

Wolfgang Piller

Nachbau zu betreiben, ist ein europäisches Privileg der Bauern. Es ist wertvoll und sollte unbedingt verteidigt werden. Dazu gehört auch, für den Nachbau die anfallende Gebühr zu bezahlen. Wer das nicht tut, unterschlägt einen Teil der durch Verordnungen geregelten Bezahlung für den Fortschritt in der Sortenzüchtung.

Dieser Teil fehlt den Züchtern. Sie investieren enorm viel Kapital und Arbeit in neue Sorten. Nur wenn ausreichend Geld zurückfließt, können sie ihre Arbeit weitermachen. Gerade in Deutschland funktioniert dieses System schlecht. Wohin das führt, ist eigentlich nicht schwer vorauszusehen: Es sind die kleineren, mittelständischen Firmen, die das auf Dauer nicht durchhalten. Die großen Züchterfirmen entwickeln indessen zum Beispiel bei Gerste und auch bei Weizen die Hybridsysteme weiter. Sie setzen voll auf diese und andere neue Techniken und hoffen, damit Nachbau auszuschalten.

Doch auch jene Landwirte, die mit ihrem angestammten Recht argumentieren, wie ihre Vorfahren vom selbst erzeugten Getreide Saatgut abzuzweigen, müssten zu ihrem Recht kommen können. Zum Beispiel indem sie ältere Sorten (etwa nach 20 Jahren) ohne Nachbaugebühr verwenden können. Für die Erhaltungszüchtung müssten sie selbst sorgen. Die Entscheidung ist einfach: Nutze ich modernen Züchtungsfortschritt, muss ich meinen Beitrag dafür leisten. Will ich das nicht, kann ich kein modernes Saatgut verwenden. Wer weder Nachbaugebühren bezahlen will, noch auf moderne Weizen-, Gersten- oder Kartoffelsorten verzichten, schadet letztendlich sich selbst. Denn übrig bleiben auf längere Sicht die großen, weltweit operierenden Züchterkonzerne sowie Hybridsorten oder patentgeschütztes Saatgut.

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