Login
Weizenmarkt

Der Russe kommt schon wieder

Wolfgang Piller
Thumbnail
Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
20.07.2017

München - Wir haben uns daran gewöhnt. Russland zuvorderst drängt seit Jahren Herbst für Herbst mit seinem Weizen auf den Markt und drückt damit auch auf die Preise.

Früher geschah das nicht so zuverlässig. Immer wieder gab es großflächig Auswinterungen oder Ausfälle, weil kein Geld für Betriebsmittel da war. Man kann kaum sagen, dass das ein für alle Mal vorbei ist – ein allzu strenger Winter ist im Osten immer möglich –, doch die dortigen Bauern bringen ihre Kulturen zuverlässiger und robuster in den Acker.

Das belegen die Zahlen. Schauen Sie sich die Grafik und die Tabelle auf der folgenden Seite genau an: Innerhalb von sechs Jahren haben sich die russischen Weizenexporte mehr als verdreifacht und das, ohne dass der inländische Verbrauch zurückging. Im Gegenteil. Die russischen Weizenüberschüsse finden über das Schwarze Meer eine günstige Transportroute zu den Exportmärkten. Da können wir kaum mithalten, wir sollten das noch nicht einmal wollen. Unser Weizen sollte mehr wert sein als die untersten Weltmarktpreise.

Aber wie lange wird das noch gelten? Unter dem Regime der neuen Düngeverordnung wird es immer schwerer werden, zuverlässig hochwertigen Weizen zu erzeugen. Die heimischen Mühlen müssen da noch am wenigsten Sorge haben – zumal den Großteil ihres Mehls die Industriebäcker verarbeiten – die hinsichtlich der nötigen Mehlqualität bestimmt noch Reserven frei haben. Die Mühlen können über den direkten Weg guten Backweizen erzeugen lassen. Was ist mit dem Rest? Richtig proteinarmer Weizen wandert in die Futtermischungen. Für die mittleren Partien gelingt der Ausweg über den Export nur dann gewinnbringend, wenn sie über Qualität bestechen. Das war über Jahre das Pfund des deutschen Exportweizens. Was die Russen an Zuverlässigkeit gewonnen haben, setzen wir gerade aufs Spiel.

Auch interessant