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Kommentar

Schwache Ernte, hohe Preise

Mähdrescher tankt ab, im Hintergrund brennt die Sonne vom wolkenlosen Himmel
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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
02.08.2018

Getreidemarkt: Die Warenterminbörse Matif notiert den Weizen so hoch wie seit drei Jahren nicht mehr. Dürremeldungen treiben die Kurse weiter an, aber mittelfristig bleibt an den Preisaussichten ein Fragezeichen hängen.

Wolfgang Piller

Nachdem das Getreide mit mehr oder weniger großen Verlusten und zum Teil um mehr als zwei Wochen früher als üblich die Äcker geräumt hat, geraten nun die Hackfrüchte ins Blickfeld. Und auch sie leiden in weiten Teilen Bayerns erheblich. Rüben legen sich schlafen, die Kartoffeln stoppen ihr Wachstum, mancher Mais gleicht einem dürren Palmenhain. Wenig Trost bietet, dass es anderen Ackerbauern in Deutschland noch (viel) schlechter geht. In Teilen Niedersachsens, in Schleswig-Holstein, in Ostdeutschland gibt es geradezu katastrophale Situationen und nach einer Getreideernte mit erheblichen Einbußen drohen nun Totalausfälle beim Mais und im Futterbau.

Doch anders als beim letzten sogenannten Jahrhundertsommer 2003 trifft dieser Saharasommer nicht nur den Süden Deutschlands (und Mitteleuropas), sondern weite Teile der gesamten nördlichen Welthalbkugel. Und daran kommen die Marktanalysten und die Rohstoffeinkäufer nicht mehr vorbei. Zumindest die Getreidepreise steigen seit einiger Zeit an, sodass die Ausfälle im Ackerbau etwas ausgeglichen werden – allerdings nur bei jenen, die überhaupt marktfähiges Getreide ernten konnten.

Und da sind zumindest im Süden und Westen Bayerns, aber auch zum Teil in Unter- und Mittelfranken einige der Wochenblatt-Leser mit einem blauen Auge davon gekommen.  Anders sieht es in Oberfranken und der Oberpfalz, auch in Teilen Niederbayerns aus. Hier fehlt die vermarktungsfähige Ware und damit die Möglichkeit am Markt Ausgleich zu finden. Und sogleich wird ein anderer Mangel sichtbar: Es gibt keine geeignete Versicherung für solche extremen Wetterereignisse, die sich ganz offensichtlich häufen. Anderswo in der Welt werden die Gefahrenversicherungen gefördert, in Deutschland werden sie hoch besteuert. Ein Umdenken ist nötig und im Anschluss faire Angebote der Versicherungsunternehmen.

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