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Heimisches Soja

Taten zählen, nicht Worte

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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
23.09.2016

München - Soja hat bei Verbrauchern einen furchtbar schlechten Ruf: Schuld am Abholzen des Regenwalds, Handelswege um den halben Globus und dann auch noch meist gentechnisch verändert.

Wolfgang Piller

Der Einzelhandel macht sich in solchen Gemengelagen gerne zum Sprachrohr der vermeintlich stummen Mehrheit und verlangt beispielsweise immer öfter gentechnik-freie Erzeugung. Manchmal sind es auch Verarbeiter wie Molkereien, die auf den Zug aufspringen, weil sie bessere Marktchancen erhoffen. Das ist völlig legitim. Vor allem, wenn sich die Hoffnung bewahrheitet und die Produkte der Landwirte damit besser vermarktet werden können, am besten auch zu einem höheren Preis.

Beim Rinderfüttern hat das Rapsextraktionsschrot als Proteinquelle seine Akzeptanz gefunden. Bei Schweinen und Geflügel bleibt jedoch das Sojaextraktionsschrot das Maß der Dinge. Kleine heimische Sojaaufbereiter liefern zwar aufgeschlossene Bohnen, deren Ölgehalt macht die Rationen aber zu fett. Auch entölter Sojakuchen ist noch zu energiereich. Jetzt gibt es erstmals Sojaextraktionsschrot aus europäischen Bohnen und von einer bayerischen Ölmühle. Das ist gut und müsste auf eine vorhandene Nachfrage treffen.

Der Preis ist trotzdem das Kriterium, das den Weg der Wahrheit weisen wird. Denn die heimische Ware ist trotz kurzer Transportwege teurer als die Importware. Ihre Trumpfkarten sind die regionale Erzeugung und die garantierte Freiheit von gvo-Soja. Bei den Eiern scheint es noch eher möglich, diese Trümpfe auszuspielen und eine Käuferschaft anzusprechen, die die Vorteile bezahlt. Beim Schweinefleisch bleibt das zäh. Der LEH zieht nicht mit, billiges Fleisch ist immer noch das Pfund, mit dem die Käufer in den Markt gelockt werden. Wie immer ist es so: Lippenbekenntnisse helfen nicht weiter, es sind die Taten, die entscheiden, dass eine gute Idee auch erfolgreich wird.

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