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Rapsmarkt 2017/2018

Viele Meinungen, wenig Orientierung

Rapsdrusch
Herbert Goldhofer, Josef Huber, LfL Märkte, München
am
27.07.2017

München - Die Unsicherheit in der Branche ist regelrecht greifbar – wie fallen die Ernten aus, welche Folgen hat das auf die Versorgungsbilanzen und welche Preisfaktoren setzen sich letztlich durch?

In einem Punkt waren sich die Analysten zuletzt einig: Raps wird auch in der neuen Saison ein knappes Gut am Markt sein. Zwar wird die Erntemenge 2017/18 welt- und europaweit von den Experten durchweg höher eingeschätzt als im Vorjahr, doch auch der Verbrauch wird deutlich ansteigen. Allerdings bleiben immer noch erhebliche Unsicherheiten zu Ausmaß und Wirkung der vorausgesagten Mengen.

Wie eng die Versorgungsbilanzen global und auf EU-Ebene tatsächlich ausfallen werden, wie hoch dadurch beispielsweise der Importbedarf der Ölmühlen in der EU sein wird und woher dieser dann gedeckt werden könnte, all dies wird sich erst in den nächsten Wochen, möglicherweise erst in den nächsten Monaten zeigen. Entsprechend zurückhaltend und vorsichtig stellen sich die wenigen Äußerungen zur erwarteten Preisentwicklung dar, wohl auch noch unter dem Eindruck des schwer erklärbaren Einbruchs der Rapsnotierungen im ersten Halbjahr dieses Jahres an der Matif und den heimischen Märkten.

Die Experten des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums (USDA) erwarten 2017/18 in ihrem Juli-Bericht eine globale Rekordernte in Höhe von 72,4 Mio. t Raps. Dies wären 4,7 % mehr als in der letzten Saison und die höchste jemals registrierte Erntemenge. Da aber gleichzeitig der Verbrauch auf 72,7 Mio. t ansteigt (+1,9 %), würden die Vorräte zum Ende des Wirtschaftsjahres mit 4,61 Mio. t den niedrigsten Wert der letzten zehn Jahre erreichen.

Entscheidender Faktor für die weltweite Rekordernte 2017 ist die um rund 3 Mio. ha auf insgesamt 36,7 Mio. ha ausgedehnte Anbaufläche. Dabei sticht Kanada hervor, auf dessen Konto alleine 50 % der Flächenausdehnungen geht. Mit einem Umfang von 9,54 Mio. ha hat Kanada nicht nur 1,5 Mio. ha mehr Raps in Kultur genommen als in der letzten Saison, sondern produziert die Ölfrucht zur Ernte 2017 auf der größten je erfassten Fläche. Dabei durchlebten die kanadischen Farmer aber auch ein Wechselbad der Gefühle.

Zunächst standen viele vor der Herausforderung auf völlig durchnässten Feldern die Rapsaussaat rechtzeitig und ordentlich abzuschließen. Lange war unklar, ob alle Anbauabsichten tatsächlich umgesetzt wurden. Ende Juni machten dann Befürchtungen die Runde, dass eine sich auf dem nordamerikanischen Kontinent ausbreitende Trockenheit für erhebliche Schäden in den Rapsbeständen sorgen könnte.

Die Analysten des USDA rechnen nun mit einem durchschnittlichen Hektarertrag von 2,20 t, also 4,3 % weniger als im Vorjahr. Mit 21,0 Mio. t wird Kanada trotzdem eine historische Rekordernte einfahren und seine unangefochtene Stellung als größter Rapsexporteur weltweit noch ausbauen. Die Kanadier versorgen vornehmlich China, Japan, Mexiko und Pakistan, hingegen wird nach Europa nur ein geringer Anteil (Vorjahr: 5,7 %) des exportierten Rapses geliefert. Hintergrund ist, dass Kanada über 90 % seiner Rapsanbaufläche mit gentechnisch veränderten Sorten bestellt.

Australien war in der vergangenen Saison ein außerordentlich wichtiger Rapslieferant für die Ölmühlen in der EU und vor allem in Deutschland. Basis dafür war 2016/17 die dortige Rekordernte von über 4,1 Mio. t. Dies wird sich in diesem Jahr nicht wiederholen. Zwar erhöhten die australischen Farmer ihre Rapsanbaufläche deutlich, aber in den letzten Wochen war es dort für die Jahreszeit viel zu heiß und trocken.

Aktuell rechnet das USDA mit einer Erntefläche von 2,6 Mio. ha, ein Plus gegenüber dem Vorjahr von 11,6 %. Der bis Juni noch unterstellte Flächenzuwachs von über 20 % musste von den amerikanischen Analysten in ihrer aktuellen Prognose schon deutlich nach unten korrigiert werden. Auf einem ähnlichen Kurs sehen die US-Marktexperten den zu erwartenden Rapsertrag in Australien. Nach 1,78 t/ha in der Vorsaison werden zur kommenden Ernte nur noch 1,23 t/ha unterstellt. Die Rapsernte 2017/18 in Australien wird so nur bei rund 3,2 Mio. t liegen, ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr von 22,7 %.

Die Ukraine wird einspringen

Australien bleibt damit hinter der EU, Kanada, China und Indien zwar der fünftgrößte Rapsproduzent weltweit, aber es ist absehbar, dass das Exportvolumen von australischem Raps in dieser Saison deutlich niedriger sein wird als im vergangenen Wirtschaftsjahr. Dies wird sicherlich ein Aspekt sein, den europäische Ölmühlen vor dem Hintergrund ihres zweifellos bestehenden Importbedarfs sehr aufmerksam beobachten werden, zumal nach derzeitigen Schätzungen der erwartete Anstieg der ukrainischen Rapsexporte (+320 000 t) in 2017/18 nur gut die Hälfte des australischen Exportrückgangs (–600 000 t) auffangen kann.

Die Ukraine, traditionell ein wichtiger Lieferant von Raps in die EU, hat nach einer bemerkenswert schwachen Ernte im letzten Jahr (1,25 Mio. t) die Produktionsfläche deutlich erhöht. Derzeit geht das USDA davon aus, dass 2017 in dem Land am Schwarzen Meer auf 850 000 ha (+89 % zu 2016) bei einem durchschnittlichen Flächenertrag von 2,47 t/ha (–11,2 % zu 2016) rund 2,1 Mio. t Raps geerntet werden, 68 % mehr als im Vorjahr.

Trotzdem bleibt zu bedenken: Wenn man das Exportpotenzial für 2017/18 der zwei wichtigsten Rapslieferanten in die EU, Australien und die Ukraine, in Summe betrachtet, könnte der Rohstoffimport für die hiesigen Verarbeiter schwieriger und teurer werden als angenommen. Vor diesem Hintergrund und mit Blick auf mögliche Preisentwicklungen wird es umso bedeutender, wie die EU-Versorgungsbilanz beim Raps 2017/18 und der daraus resultierende Importbedarf aussehen werden.

Die EU-Kommission erwartet in ihrer letzten Prognose ein Raps­aufkommen zur Ernte 2017 von 21,7 Mio. t, ein Plus gegenüber dem schwachen Vorjahr von 10,3 %. Größter Produzent wäre demnach Deutschland mit einer geschätzten Erntemenge von 4,85 Mio. t, gefolgt von Frankreich (4,69 Mio. t) und Polen (2,78 Mio. t). Gerade unsere Nachbarn im Osten setzen mit der zweithöchsten, jemals eingebrachten Rapsernte ein Ausrufezeichen. Für die beiden großen Rapserzeugungsländer sind die Erwartungen trotz der Zuschläge gegenüber dem Vorjahr aber mäßig, liegen die für 2017 unterstellten Erntemengen doch deutlich (Deutschland –8,5 %, Frankreich –6,1 %) unter dem Fünfjahresmittel.
 

Die EU-Ernte wird verschieden geschätzt

Schwierig ist es einzuschätzen, ob die Brüsseler Experten bei ihrer aktuellen Prognose die erwarteten Hektarerträge zu optimistisch angesetzt haben, wie in den Tagen nach der Veröffentlichung immer wieder zu hören und lesen war. Besonders im Fokus stand dabei Frankreich, für das die Kommission einen durchschnittlichen Rapsertrag von 3,21 t/ha unterstellt, immerhin fast 16 % mehr als im vergangenen Jahr. Vor allem die Trockenheit im Frühjahr, aber auch die Kältephase in der zweiten Aprilhälfte sehen einige Marktbeobachter im Hinblick auf die dortige Ertragserwartung deutlich kritischer und bleiben auch bei anderen Anbauregionen der EU zurückhaltender.

Daraus ergeben sich zwangsläufig unterschiedliche Einschätzungen zum Umfang der nun erwarteten EU-Rapsernte. So geht das USDA von 21,15 Mio. t aus, andere Quellen sehen selbst diesen Wert als kaum erreichbar an. Diese unterschiedlichen Ernte-Szenarien lassen die derzeitige Unsicherheit am Markt erahnen.

Orientiert man sich an der EU-Kommission, so wird gegenüber der Vorsaison eine höhere Ernte die steigende Gesamtnachfrage nicht nur decken, sondern auch den Importbedarf um eine halbe Million Tonnen reduzieren, ohne dabei die Bestände abzubauen. Eine solche Gleichung stellt zunächst eine gewisse Sicherheit gegen stark fallende Preise dar, gibt aber auch nicht wirklich Anlass allzu euphorisch auf die Rapsnotierungen der nächsten Wochen zu blicken.

Mehr Fantasie steckt dagegen in der USDA-Bilanz. Um auf das gleiche Gesamtangebot wie die Brüsseler Kollegen zu kommen, sehen die US-Analysten vor dem Hintergrund der niedriger angesetzten Erntemenge 2017/18 den EU-Importbedarf für Raps bei 4 Mio. t, tendenziell sogar höher. Je umfangreicher die europäischen Verarbeiter aber am Weltmarkt aktiv werden müssen, umso stärker werden sie auf alle dort wirkenden Einflüsse zu achten haben.

Erfahrungsgemäß steigt damit die Volatilität bei den Rapspreisen und einige Optimisten unter den Marktbeobachtern sehen vor dem Hintergrund der augenblicklich verfügbaren Informationen die begründete Chance, dass sich im Jahresverlauf die bullischen Preisfaktoren durchsetzen. Tatsächlich weist im Augenblick vieles darauf hin, dass spätesten snach einer ersten Verkaufswelle mit dem üblichen Mengen- und Preisdruck die Notierungen am Rapsmarkt spürbar anziehen könnten.

Damit ist nachvollziehbar, dass auf Erzeugerseite derzeit intensiv über das Thema Einlagerung oder über Vermarktungsmodelle, bei denen man auch an einem späteren Anstieg der Börsenkurse noch teilhaben kann, nachgedacht wird. Garantien gibt es bei einer solchen Entscheidung nie, aber ein großes Risiko geht man wohl nicht ein, sich für einen späteren Verkaufszeitpunkt zu entscheiden.

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