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Biolandbau

Widerspruch

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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
23.02.2017

München - Das war zu erwarten: Der Bundeslandwirtschaftsminister zieht mit seinem Bioprogramm nach, wo sein bayerischer Amtskollege Helmut Brunner schon längst vorgeprescht war – 20 % bio bis zum Jahr 2020 soll es nun nicht nur im Freistaat, sondern auch im Bund sein.

Wolfgang Piller

Das Ziel ist ehrgeizig und kaum zu erreichen, in Gesamtdeutschland schon gleich gar nicht. Selbst im Bio-Vorzeigeland Bayern bleiben sowohl die Ökofläche wie auch die Anzahl der Betriebe drei Jahre vor Programmende und trotz einer Umstellungswelle mit etwa 1000 Neuumstellern im Jahr 2016 bei unter 10 %.

Doch ein ehrgeiziges Ziel am Ende nicht zu erreichen, muss kein Zeichen von Schwäche sein. Im Gegenteil, Brunners bayerisches Programm ist ein Erfolg. Und es fußt auf einem handfesten Argument: Solange die hiesigen Bio-Verarbeiter auf importierte Rohware angewiesen sind, also heimische Erzeuger fehlen, wäre es tatsächlich ein Fehler, nicht gegenzusteuern. Vor allem, wenn andererseits konventionell erzeugte Überschüsse nur auf den Weltmärkten zu platzieren sind. Dass vor allem in den Krisenzeiten auf den konventionellen Agrarmärkten die Umstellung zu bio wieder in vollem Schub eingesetzt hat, zeigt, dass die Landwirte die Bioproduktion als – langfristig angelegte – Alternative annehmen.

Was der Ökolandbau aber neben den Rohstofferzeugern auch braucht, sind die Verarbeiter. Denn die Messe in Nürnberg zeigt, dass die immer mehr werdenden Biokäufer längst nicht mehr nur im Naturkostladen einkaufen, sondern dort, wo alle anderen auch einkaufen. Und damit folgen sie auch den gleichen Trends: einfach zuzubereitende Convenience-Produkte, Feinkost aus aller Welt, hochverarbeitete Ersatzlebensmittel für besondere Käufergruppen wie (vegane) Vegetarier oder Allergiker. Mit dem Erfolg wird die Biobranche auch die ersten Widersprüche bewältigen müssen. Auch diese Prognose fällt leicht.

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