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Marktlage

Getreidemarkt - ausgeliefert

Getreidelager in Gebäude
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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
18.04.2019

Dieses Getreidemarktjahr hat vermutlich weder ganz enttäuscht, aber noch weniger voll befriedigt.

Wolfgang Piller

Alles verkauft und ausgeliefert? Dieses Getreidemarktjahr hat vermutlich weder ganz enttäuscht, aber noch weniger voll befriedigt. Immerhin haben die Preise auf die letztjährige Dürre reagiert und sind gestiegen. Allerdings waren die Erzeugerpreise bei weitem nicht so ordentlich, wie das dramatische Ausmaß der Jahrhundertdürre hätte erwarten lassen. Zumal ja damit immer verknüpft ist, dass die gestiegenen Preise einen erheblichen Ernterückgang auffangen müssten.

Insofern fühlt es sich immer wieder wie ein Schlag ins Gesicht an, wenn mittlerweile ganz nüchtern erklärt wird, dass eine schlechte Ernte bei uns keineswegs die Ware an den Märkten knapp macht. Und was heißt überhaupt bei uns? Bayern, Deutschland, Westeuropa, Europa? Nur weil die 2018er Trockenheit auch die Mengen der Schwarzmeer-Anrainer gedrückt hatte, haben Preise bei uns überhaupt mehr als nur gezuckt, heißt es.

Da kann schon diese andere Bedeutung des Worts „ausgeliefert“ in den Vordergrund rücken – das Gefühl des Ausgeliefertseins. Nicht zuletzt, weil die Märkte turbulent durchgerüttelt werden von der Politik und dubiosen Marktmeldungen. Plötzlich steigen die Vorräte in China um hunderttausende Tonnen an, der USA-China-Handelskonflikt hält trotz Knappheit den Rapsmarkt am Boden. Jeder Konflikt geht mit Sicherheit nicht gut für die Erzeuger aus. Was wird wohl der Brexit noch bringen? Selbst die Preisbildung an den Warenterminbörsen scheint nicht ohne Marktpsychologie auszukommen. Da scheint der Ansatz des Bauernverbands nur folgerichtig, diesem Gefühl, einer konzentrierten Übermacht ausgeliefert zu sein, das Miteinander der Vielen entgegenzustellen. Die Landwirtschaft ist kartellrechtlich bevorzugt und darf untereinander Preise melden. Mit der neuen App könnte endlich ein taugliches Werkzeug gefunden zu sein, um eine funktionierende Transparenz vor Ort zu erzeugen. Gegen das Gefühl des permanenten Ausgeliefertseins.

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