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Kommentar

Der Handel im Wandel

Michfutter Lagerhaus
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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
11.04.2019

Der Druck auf Agrarhandel und Futtermischer wächst - und die Politik? Oft handelt sie, wenn sie sicher lieber zurückhalten sollte und bleibt untätig wenn sie eingreifen sollte.

Wolfgang Piller

Die Politik beeinflusst die Agrarmärkte immer mehr. Leider ist es oft so, dass sie dort handelt, wo sie sich zurückhalten sollte und sich dort zurückhält, wo sie tätig werden müsste. Anstatt den eigentlichen Auftrag zu erfüllen – für verlässliche, rechtssichere Rahmenbedingungen zu sorgen – passiert allzu oft das Gegenteil.
Fall 1 – zu viel Staat: Eindrücklich hat das US-Präsident Trump geschafft, seit er mit dem Schlachtruf „America first“ in den Handelskrieg mit China gezogen ist. Verlierer gibt es viele: Seine eigenen Sojabauern stehen am Anfang und der Verlust an wertvollstem Amazonas-Regenwald als Folge der Produktionsausweitung der Brasilianer am Ende einer langen Liste.
Fall 2 – zuviel und zu wenig: Die EU ist zwar nicht so rigoros, doch ähnlich erfolglos. Beim Zuckermarkt hat man einerseits einen zuvor funktionierenden Markt liberalisiert, ohne andererseits die Produktionsbedingungen vor Ort in Europa zu harmonisieren. Dass andere Zuckerländer weltweit ebenfalls in den Markt eingreifen, macht die Sache nicht besser.
Fall 3 – zu wenig Staat: Das Beispiel brodelt noch unter dem Deckel, wird aber in den betroffenen Branchen schon heiß diskutiert: die Regulierung neuer biotechnischer Verfahren, bekannt geworden als Crispr/Cas. Der EU-Gerichtshof hat sie als Gentechnik eingestuft. Doch entscheidend ist, dass die EU und ihre Mitgliedsländer bisher versäumt haben, diesen Bereich vernünftig und rechtssicher zu gestalten. Sprengstoff steckt darin jede Menge. Denn die Verfahren werden außerhalb Europas angewandt und das immer mehr. Und: Die Produkte sind nicht zu unterscheiden von herkömmlich erzeugten. Schon der Gedanke an den weltweiten Handel lässt die (Markt-)Schwierigkeiten erahnen. Wer soll was und vor allem wie kontrollieren? Was ist mit der Rechtssicherhiet für importierte Rohstoffe? Wo bleiben die europäischen Erzeuger?

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