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Kommentar

Den heimischen Markt abgedeckt

Agrofarm knau
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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
13.12.2018

Agrofarm Knau: Statt Rotstift für die Arbeitsplätze in der Landwirtschaft und Lebensmittel aus dem Discounter gibt es bäuerliche Produktion und Genuss. Weil Bauern an sich glaubten.

Wolfgang Piller

Überaus beeindruckend liest sich die Story über die Agrofarm im thüringischen Knau. Quasi aus weniger als aus dem Nichts hat sich ein Hauptgewinn für eine ganze Region entwickelt. Aber dieser kam nicht aus der Lostrommel, sondern hat sich aus guten Ideen und einer Haltung, sich nicht dem vermeintlich Unvermeidbaren hinzugeben, entwickelt. Ganz gewiss war das nicht einfach, doch die Thüringer haben einen Weg gewählt, indem die Landwirtschaft für ihre Region zum Rückgrat, zum Herz und zur Seele wurde.
Dass ein einzelner Betrieb dabei eine ganze Region mit so vielfältigen Lebensmitteln versorgen kann, ist natürlich der Größe der Ausgangsgenossenschaft geschuldet. Das ist sicher ein Vorteil, dass nicht erst eine Vielzahl von Akteuren überzeugt werden musste und dauerhaft muss, sondern Entscheidungen in kleineren Zirkeln schnell getroffen werden konnten. Die Größe in der Produktion erlaubt auch schnell eine sichtbare Größe am Markt zu werden. Das kann kaum ein bayerischer Direktvermarkter erreichen.
Was aber ihnen allen gleichermaßen hilft, ist, dass immer gegessen und getrunken werden muss. Und dass die Leute überall lieber die guten Produkte ihrer Heimat kaufen als gesichtslose und im schlimmsten Fall geschmacksarme Waren aus dem Supermarkt. Nur haben nicht alle die Möglichkeit dazu. Trotzdem wird die Vorliebe für regional erzeugte Produkte bleiben – sie ist schon längst kein Trend mehr, sondern schlicht Realität. Diese Realität hilft der Landwirtschaft – denn Bauern erzeugen ihre Produkte immer regional. Die Erzeuger und ihre Gemeinschaften können sich das zunutze machen, auch wenn es angesichts der konzentrierten Machtfülle des Lebensmitteleinzelhandels oft schwierig erscheint. Manchmal muss es dann halt ohne Edeka, Rewe, Lidl und Aldi gehen.

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