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Rinderhaltung

Impfstoff gegen Blauzunge ist rar

Kälber
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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
23.05.2019

Seit Wochen werden Landwirte und Tierärzte auf die Lieferung von Impfstoff gegen den Blauzungenvirus vertröstet.

Aufregung im Stall – Kuh Berta kalbt. Mit etwas Hilfe geht alles reibungslos über die Bühne. Mutter und Jungtier sind wohlauf. Es ist ein prächtiges Bullenkalb. Gestärkt mit einem kräftigen Schluck Biestmilch geht es rüber in den Kälberstall, wo schon eine ganze Truppe an halbstarkem Rindernachwuchs wartet. In sechs Wochen soll es auf den Markt gehen und von dort aus die Karriere als Mastbulle beginnen. Dieses Szenario spielt sich auf bayerischen Milchviehbetrieben Tag für Tag und das gleich hundertfach ab.

Das Dumme ist nur, Berta war nicht gegen die Blauzunge geimpft und der Betrieb befindet sich in der Restriktionszone. Nicht-immunisierte Tiere dürfen seit 18. Mai nicht mehr außerhalb der Sperrzone gehandelt werden. Die Abnahmekapazitäten dort sind allerdings sehr begrenzt.

Die Ställe werden folglich in den kommenden Wochen zum Bersten vollgestopft und die Landwirte schlagen die Hände über dem Kopf zusammen, weil sie nicht mehr wissen, wohin mit dem Rindernachwuchs. Da wird der vermeintliche Kälbersegen schnell zum Fluch der Milchwirtschaft – doch jede Kuh muss nun mal über den Daumen gepeilt ein Kalb pro Jahr auf die Welt bringen, um Milch zu geben.

Seit Wochen werden Landwirte und Tierärzte darauf vertröstet, bei der nächsten Lieferung des ach so heiß begehrten Blauzungenimpfstoffs dabei zu sein. Auch wenn sich Umweltminister Thorsten Glauber wünscht, die Impfrate von derzeit 6 Prozent deutlich zu steigern, für eine nachhaltige Seuchenbekämpfung braucht es mindestens 80 Prozent geimpfte Tiere, wie die Erfahrungen zeigen.

Dieses Ziel liegt also in weiter Ferne. Und selbst wenn mehr Impfstoff – bislang nur für einen Serotypen – vorhanden wäre, ließen sich die Tiere nicht einfach wie mit einem Zauberstab umswitchen. Der Aufbau des Immunstatus braucht bekanntlich Zeit. Die hat aber momentan keiner, und so werden die Kälber mehr und mehr. Handeln heißt das Gebot der Stunde!

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