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Gerechtigkeit

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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
17.11.2016

München - Handel ist gut, fairer Handel ist besser. So kurz könnte sich die Idee von Fair Trade, was übersetzt ja nichts anderes heißt als gerechter Handel, erklären lassen.

Wolfgang Piller

Was heißt denn gerecht? Der freie Markt bildet im Großen und Ganzen seinen Preis über die Kosten seiner besten Erzeuger. Beste bedeutet dabei nicht, dass die anderen schlechter wären, sondern vielmehr, dass sie die günstigsten Rahmenbedingungen vorfinden. Die Erzeugung geht dorthin, wo sich die Produkte am kostengünstigsten herstellen lassen. Das ist volkswirtschaftlich betrachtet ungeheuer effektiv.

Aber es ist natürlich auch ungeheuer brutal. Denn es werden die besonderen Anbaubedingungen, der Standort, die Ausbildung, Klima und so weiter, nicht wertgeschätzt. Letztendlich führte das zu einem gnadenlosen Verdrängungswettbewerb, dem alle Erzeuger in weniger begünstigten Gebieten zum Opfer fallen würden. Erst wenn die Verteilungskosten/Transportkosten von den begünstigten Gebieten die Nachteile aufwiegen würden, kämen die benachteiligten Erzeuger zum Zuge. Während sich deren Vermarktungsmöglichkeiten also einschränken, ohne dass sie dafür bei den Preisen einen Vorteil hätten, erhalten die Begünstigten Zugang zu immer größeren Märkten.

Das ist die Realität in der Marktwirtschaft und trifft umso mehr zu, je leichter ein Produkt zu erzeugen und zu transportieren ist. Realität ist aber auch, dass die Gegenwehr, also den überregionalen/internationalen Handel zu unterbinden, nicht zu mehr Wohlstand, sondern zu weniger führt. Die Konsequenz, Handel mit Gerechtigkeit zu verbinden, ist also eine Lösung für dieses Problem. Dabei werden soziale und ökologische Aspekte berücksichtigt, Familienbetriebe und Kooperativen unterstützt. Nachhaltige Vermarktungsmöglichkeiten geschaffen und letztendlich Strukturen gebildet, die sozial stabile Grundlagen ermöglichen. Fair Trade nutzt damit längst nicht nur der einen Seite, sondern allen, auch uns.

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