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Kartoffelmarkt

Lagerverluste

Kartoffeltüte
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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
05.10.2017

München - Säckeweise einlagern und säckchenweise wegwerfen – noch vor einigen Jahren haben die Oktoberaktionen des Handels der Kartoffel einen quasi zusätzlichen Marktmonat beschafft.

Wolfgang Piller

Doch die Zeiten sind vorbei. Die Hausfrau, die noch halbzentnerweise Kartoffeln eingekauft und für den Winter vorgesorgt hat, gibt es nicht mehr. Die Leute in den Städten (und Dörfern) wissen, dass sie das ganze Jahr über am Freitagnachmittag die eineinhalb Kilo Kartoffeln fürs Wochenende einkaufen können.

Aber damit rechnet auch kein Kartoffelerzeuger mehr. Sie sind allesamt Spezialisten, die ganz genau wissen, für welches Marktsegment sie welche Kartoffeln produzieren müssen. Trotzdem ist die Kartoffel eine Frucht, von der man beim Legen noch längst nicht weiß, was man später ernten wird. Dieses Jahr hat es den Kartoffelbauern schon wieder nicht einfach gemacht. Momentan herrschen in Bayern gute Rodebedingungen, doch nicht jede Partie wird ohne Qualitätsmängel ins Lager kommen. Der Sommer hat den Beständen mit Trockenheit und Hitze zu Beginn und Nässe ab Ende Juli einiges abverlangt.

Und so scheint das letzte Wort am Speisekartoffelmarkt noch nicht gesprochen. Bei der Kartoffelherbstbörse haben die Händler ihre Sorgen signalisiert und die Erzeuger aufgefordert, schwache Partien anderweitig zu verwerten. Bayern steht diesbezüglich gut da. Kaum irgendwo anders ist die Branche so umfassend aufgestellt. Neben den Erfassern für den LEH gibt es die Pommeshersteller, Chips- und Kloßteigfabriken sowie die zwei in Bauernhand befindlichen Stärkewerke. Da sollte sich für jedes Kilo ein passabler Verwertungsweg finden lassen. Dass dies der gesamten Branche dient (und nicht zuletzt den Erzeugern), sollte ihr aber nicht nur in den problematischen Jahren bewusst sein. Was an Verwertungsmöglichkeit verloren geht, kommt genauso selten zurück wie eine verdorbene Lagerkartoffel.

Mit Material von Ein Kommentar von Wolfgang Piller, Wochenblatt- Redakteur, wolfgang.piller@dlv.de
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