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Freier Markt

Trendwende am Zuckermarkt?

Zuckerrübe
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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
14.06.2018

Die Zuckerrübenbauern erlebten gemeinsam mit ihrem Abnehmer und Verarbeiter auf dem Weltzuckermarkt einen Tiefpunkt.

Redakteur, BLW, Wolfgnag Piller

Der Schock war riesig. Pünktlich zur ersten freien Preisrunde ohne garantierten Mindestpreis sahen die Zuckerrübenbauern gemeinsam mit ihrem Abnehmer und Verarbeiter auf einen Weltzuckermarkt am Tiefpunkt. Zuviel war zusammen gekommen: In ganz Europa haben die Ackerbauern ein Maximum an Rüben angebaut, dazu kam noch ein Rekordergebnis in der Ernte und wenig Unterstützung aus dem Rest der Welt. Der niedrige Erdölpreis hatte wenig Sogwirkung auf die Zuckerrohrbranche in Brasilien ausgeübt, damit diese weniger Zucker exportieren, sondern stattdessen etwas mehr Bioethanol produzieren. Kein Zurückhalten irgendwo auf der Welt. Und dann noch die unangenehmen Forderungen aus der Gesellschaft, den Zucker in den Nahrungsmitteln zu kennzeichnen und zu reduzieren.

Die Folge: Schlicht und einfach ein Zuckerrübenpreis unter aller S... Dass der Doppelzentner im Schnitt noch mehr als 30 Euro einbrachte – nur mit Kunstgriffen in der Preisgestaltung war das überhaupt hinzubekommen. Die Königin der Feldfrüchte ist in diesem Frühjahr ganz schön gerupft gewesen. Kein Strahlen mehr, eher ein gedimmtes Dämmern. Die einzige „Hilfe“ war, dass die Alternativen auch nicht wirklich leuchten.

Das kollektive Aufatmen, das die aktuelle Marktmeldung seitens der Analysten im US-amerikanischen Landwirtschaftsministerium ausgelöst haben wird, dürfte ein beachtliches Lüftchen hervorgerufen haben. Endlich eine positive Meldung. Weniger Menge, mehr Verbrauch, weniger hohe Vorräte, anziehende Preise, wenn das keine Wohltat für die geschundenen Zuckerseelen ist. Die Frage, die bleibt, ist: Bleibt das eine kurze Streicheleinheit oder darf tiefer durchgeatmet werden? Die Rübenbauern müssen genauso wie die Südzucker auf eine dauerhafte Trendwende hoffen. Dann gibt es im kommenden Frühjahr bei den Preisverhandlungen bestimmt weniger Gerupfe als heuer.

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