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Zuckerrübenanbau

Die Zuckerquote ist Geschichte

Zuckerrübenernte
BLW
am
06.10.2017

München - In dieser Woche ist die Quote für die EU-Zuckererzeugung ausgelaufen.

Der Zuckersektor war der letzte Agrarsektor in der EU, bei dem die Erzeugung einer Quotenregelung unterlag. Mit dem 1. Oktober ist sie ausgelaufen. Die EU-Zuckerquote wurde 1968 mit den ersten Vorschriften zur gemeinsamen Marktorganisation für Zucker zusammen mit einem deutlich über dem Weltmarktpreis liegenden Stützpreis eingeführt. Sie verfolgte eines der Hauptziele der kurz zuvor eingeführten Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP): die Selbstversorgung Europas mit Lebensmitteln dadurch zu sichern, dass die landwirtschaftliche Erzeugung durch für die Landwirte lukrative, stabile Preise gefördert wurde. Quoten in Verbindung mit einem Stützpreis boten einen willkommenen Anreiz zur Erreichung dieser Ziele im Zuckersektor.

Seit 1992 fördert die EU nicht mehr die Erzeugung (über die Preise), sondern die Erzeuger über Direktzahlungen. Bei Zucker wurde dieser Übergang 2006 durch eine grundlegende Reform vorbereitet. Diese von den Mitgliedstaaten vereinbarte Reform umfasste:

  • die stufenweise Senkung der Stützpreise für Zuckerrüben und Zucker,
  • die allmähliche Beendigung der öffentlichen Interventionen bis zum Wirtschaftsjahr 2008/2009,
  • die Einstellung der Ausfuhrerstattungen seit 2008 sowie
  • einen Mechanismus zur Förderung der Umstrukturierung des gesamten Sektors, die sich von 2006 bis 2010 vollzog.

Gleichzeitig einigten sich die Mitgliedstaaten darauf, die Quoten im Jahr 2015 auslaufen zu lassen.

Anbau und Export nun ohne Obergrenze

Nach dieser grundlegenden Umstellung und nach der anfänglichen Zustimmung zur Beendigung des Zuckerquotensystems im Jahr 2015 beschlossen das EU-Parlament und die Mitgliedstaaten 2013 im Zuge der GAP-Reform, diesen Zeitraum bis zum Ende des Zuckerwirtschaftsjahrs 2016/2017, d. h. bis 30. September 2017, zu verlängern. Das Ende der Zuckerquoten bedeutet den Wegfall der Obergrenzen sowohl für die Erzeugung wie für die Ausfuhren.

Bisher betrug die EU-Erzeugungsquote insgesamt 13,5 Mio. t Zucker, die auf 20 Mitgliedstaaten aufgeteilt war. Knapp die Hälfte des europäischen Zuckers produzierten Rübenbauern in Deutschland und Frankreich. Die Verwendung der Erzeugungsmenge und des sogenannten „Nichtquotenzuckers“ unterlag strengen Vorschriften. Für den EU-Zuckerexport galt etwa die Obergrenze der Welthandelsorganisation in Höhe von 1,374 Mio. t. Die EU führt fast ausschließlich Nichtquotenzucker aus, und dies insbesondere nach Nordafrika und in den Nahen und Mittleren Osten.

Ohne Quote steigt die Zuckermenge

Im Wirtschaftsjahr 2016/2017 wurden in der EU 16,84 Mio. t Zucker hergestellt (davon 250 000 t Zucker aus Zuckerrohr von den französischen überseeischen Departements). Für die kommende Ernte, die nicht mehr durch Quoten begrenzt ist, wird mit einem Anstieg der Erzeugung um rund 20 % auf 20,1 Mio. t gerechnet. Dieser Anstieg ist das Ergebnis der Ausweitung der Anbauflächen sowie höherer Erträge aufgrund günstiger Klimabedingungen.

Was den Handel betrifft, so zählt die EU zu den weltgrößten Importeuren von Rohrzucker; dies ist insbesondere auf die Initiative „Alles außer Waffen“ und die Partnerschaftsabkommen mit den Staaten in Afrika, im Karibischen Raum und im Pazifischen Ozean (sogenannte AKP-Staaten) zurückzuführen, durch die viele Entwicklungsländer zollfreien Zugang zum EU-Markt erhalten.

Der überwiegende Teil des im Rahmen der Quote erzeugten und des aus Drittländern eingeführten Zuckers wird von der EU-Lebensmittel- und Getränkeindustrie zur Herstellung von Erzeugnissen für den einheimischen Markt und für die Ausfuhr verwendet. Nur ein geringer Teil des erzeugten Zuckers wird direkt als solcher vermarktet und konsumiert.

Welche Instrumente für Zucker sind nach dem Auslaufen der Quoten in der GAP vorgesehen?

Die Mitgliedstaaten haben die Möglichkeit, für „Sektoren in Schwierigkeiten“ eine an die Erzeugung geknüpfte freiwillige gekoppelte Stützung zu gewähren. Dies wird von Kroatien, Tschechien, Finnland, Griechenland, Ungarn, Italien, Litauen, Polen, Rumänien, Slowakei und Spanien genutzt; hierfür werden 2017 ungefähr 179 Mio. € aufgewandt.

Die EU-Kommission hat für die Zeit nach dem Auslaufen der Quote wieder eine Regelung für Branchenvereinbarungen eingeführt, mit denen die Position der Rübenbauern bei Verhandlungen mit den anderen Marktteilnehmern in der Lebensmittelkette gestärkt werden soll. Der Zuckersektor ist die einzige Branche, in der so weitreichende Vereinbarungen ohne wettbewerbsrechtliche Prüfung getroffen werden können; Verhandlungen über die Verkaufspreise sind jedoch nicht gestattet.

  • Eine Marktbeobachtungsstelle für Zucker sorgt bereits für Marktdaten und zeitnahe Analysen.
  • Eine Beihilfe für private Lagerhaltung kann gewährt werden.
  • Im Falle ernster Marktstörungen mit starken Preisausschlägen nach oben oder unten kann die EU-Kommission tätig zu werden.

Mehr Zucker und viel mehr Isoglukose

Welche Prognosen gibt es für die Marktlage nach 2017? Laut einer Analyse der EU-Kommission sollte die Zuckerproduktion von 2016 bis 2026 um 6 % steigen. Die Isoglukoseproduktion könnte sich von 700000 t auf 2,3 Mio. t mehr als verdreifachen. Die Einfuhren könnten dagegen auf 1,8 Mio. t zurückgehen, während die Ausfuhren von 1,3 auf 2,5 Mio. t steigen. Die Entwicklungen im Außenhandel sowie das Auffüllen der Bestände soll das Plus der kommenden Ernte um rund 20 % auf 20,1 Mio. t ausgleichen. Die Lagerbestände haben im Sommer 2017 einen absoluten Tiefpunkt erreicht.

In Zukunft dürften sich die EU-Zuckerpreise dem Weltmarktniveau annähern. In einem Papier der EU-Kommission zeigt sie sich zuversichtlich, dass sich die Rüben- und Zuckererzeuger nach ein bis zwei Wirtschaftsjahren vollständig an das neue Marktumfeld angepasst haben werden.    

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