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Bierrohstoffe

Knappe Rohstoffe - nicht zündeln, es brennt ja schon

Hopfen und Malz
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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
06.12.2018

Das extreme Wetterjahr limitiert die Rohstoffe fürs Bier, die nicht nur mengenmäßig, sondern auch in ihrer Qualität ausreichen müssen.

Vor kurzem haben wir an die Revolution von 1918 erinnert. Aus nachvollziehbaren Gründen haben wir nicht erwähnt, dass München schon andere Volksaufstände erlebt hatte: Bereits 1844 und 1888 gab es sogenannte Bierrevolutionen. Sie sind aber nur mehr Folklore und Anekdoten für Stadtführer. Doch sie haben einen ernsten Kern – Auslöser waren Bierpreiserhöhungen aufgrund von Rohstoffmangel. Keine Sorge: Die Münchner werden beim Oktoberfest 2019 zwar höhere Bierpreise bezahlen müssen, aber deshalb bestimmt keine Revolution auslösen.

Und die Bierpreise steigen nicht, weil Hopfen und Malz knapp und teuer geworden sind. Das sind sie, aber die Rohstoffe machen das Bier schon längst nicht mehr teuer. Trotzdem dürften die jetzigen Rohstoffeinkäufer der Brauereien ein solches Jahr noch nicht erlebt haben. Erstmals seit sehr langer Zeit werden weder beim Hopfen, noch beim Gerstenmalz die Nachfragewünsche erfüllt. Das wird nicht möglich sein. Das extreme Wetterjahr limitiert diese Rohstoffe, die nicht nur mengenmäßig ausreichen müssen, sondern vor allem auch in ihrer Qualität stimmen. Das unterstreicht ihre besondere Bedeutung und das Risiko, das ihnen innewohnt.

Ein Risiko, auf das die Erzeuger immer wieder hinweisen und das sie – völlig zurecht und übrigens jedes Jahr – entlohnt haben wollen. Während beim Hopfen seit längerem faire Konzepte und Geschäftsbeziehungen entwickelt worden sind, beruhen sie bei der Gerste noch immer allzu oft auf Appellen und Absichtserklärungen (mit rühmlichen Ausnahmen), die in normalen Jahren schnell wieder vergessen sind. Extreme Jahre wie dieses sind Scheidejahre, wo sich Sachen zum Guten oder zum Schlechten entwickeln – und deshalb guten Absichten auch gute Taten folgen sollten. Das braucht aber auch Besonnenheit. Also nicht zündeln, es brennt ja schon.

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