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Lammfleisch

Heimisch und gut

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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
08.12.2016

München - Was haben ein Irish Stew, türkische Köfte oder ein indisches Lamm-Curry gemeinsam? Es sind traditionelle Gerichte mit Lammfleisch aus Ländern mit einer Küche, in der Lammfleisch eine Tradition hat. Aus diesem Grund finden sich dort auch Rezepte, die auch die weniger wertvollen Fleischteile zu köstlichem Essen verarbeiten lassen. In der deutschen, auch in der bayerischen Küche findet sich Lamm selten. Zu Ostern eine Lammhaxe aus dem Ofen oder im Sommer einige Lammkoteletts vom Grill, das war‘s dann fast schon.

Wolfgang Piller

Und meistens wird das Fleisch vorher aufgetaut, weil es tiefgefroren aus Neuseeland zu uns kommt. Die Schafhalter dort haben den deutschen Markt genau untersucht und liefern, was der hiesige Verbraucher sucht. Oder besser, womit er etwas anfangen kann. Und das sind nur die einfacher zuzubereitenden Fleischteile. Deshalb ist der Markt hier auch relativ lukrativ. Mit dem tiefgefrorenen Fleisch lässt sich auch die Ganz-Jahres-Versorgung leicht aufrecht erhalten.

Deutschen Schafhaltern fehlt der Rückhalt seitens der heimischen Küche. Und es fehlen die Lammfleischmengen, um den Supermarkteinkäufern eine ganzjährige Versorgung zu gewährleisten. In diesem Markt müssten sie mit der importierten Ware konkurrieren. Nur wenn es gelänge, sich als regional erzeugtes Qualitätsprodukt zu platzieren, wäre auch die unbedingt notwendige hochpreisige Einordnung denkbar. Das sind hohe Hürden, denen sich die Lammfleischerzeuger gegenüber sehen. Doch es ist wohl der richtige Weg, bei den eigenen Produkten zu beginnen. Sie müssen überzeugen. Heimisch ist als Einkaufsargument gut, besser ist es, wenn die Qualität die Verbraucher bei der Stange hält. Nur wenn Lammfleisch an sich einen höheren Stellenwert erlangt, ist eine verbesserte Wertschöpfung möglich. Übrigens: Im Türkischen gibt es auch ein Lammgericht namens Sultans Entzücken – wenn das kein Ziel ist.

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