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Milchmarkt

Alles dreht sich um Marktmacht

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Rainer Königer, Wochenblatt
am
01.07.2016

München - Zuerst das Positive: Am Milchmarkt tut sich was. Und zwar in die richtige Richtung.

Die Pfeile für viele Produkte zeigen teilweise schüchtern und teilweise selbstbewusst nach oben. Ob das so bleibt? Hoffentlich! Trotzdem gibt es noch viel zu tun, strukturelle Probleme müssen angegangen werden.

Dazu zählt nach wie vor die Bündelung der Erzeuger. Es geht um Marktmacht. Und davon können die Erzeuger als letztes Glied in der Kette eigentlich nie genug haben. Ganz oben in der Nahrungskette sitzt der Lebensmitteleinzelhandel (LEH); ein vierköpfiges, gefräßiges Marktungeheuer, das die Preise drückt. Wer nicht mitspielt, wird gefressen.

Das führt dazu, dass in Deutschland Lebensmittel unglaublich günstig sind und ein Schlaraffenland für den Verbraucher geschaffen wurde. Das Absurde an der Situation: Es gibt kaum jemanden, der den LEH mag, aber jeder kauft bei ihm ein. Die Frage ist nun, wie kommt man diesem Ungeheuer bei? Von der wirtschaftshörigen Politik ist auch hier nichts zu erwarten. Spätestens nach Gerhard Schröders Agenda 2010 ist klar, wohin der immer dünner werdende Hase läuft. Die deutsche Wirtschaft und die deutsche Industrie sitzen auf dem Schoß der politischen Entscheidungsträger. Ein System, das von billigen Arbeitskräften genährt wird. Und diese billigen Arbeitskräfte brauchen billiges Futter.

Aber eine Einrichtung gibt es doch, die als Wettbewerbshüter und moralische Instanz etwas tun könnte: Das Bundeskartellamt. Ehern und mit harter Hand bestraft das Kartellamt diejenigen Unternehmen, die mit verbrecherischen Preisabsprachen Wucherpreise durchsetzen. Was das Kartellamt da bekämpft ist Machtmissbrauch. Dass der Machtmissbrauch auch in umgekehrter Richtung (Dumpingpreise) stattfindet, scheint das Kartellamt noch nicht bemerkt zu haben.

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