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Biomilchmarkt

Die bayerische Biomilch boomt

Molkerei Andechs
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Rainer Königer, Wochenblatt
am
05.09.2017

Ein sonniger Tag und sonnige Gesichter. Am Dienstag wurden die Öko-Erlebnistage auf dem Gelände der Biomolkerei Scheitz eröffnet. Von 2. September bis 3. Oktober wird es über 170 Veranstaltungen in Bayern geben, bei denen die Biobranche zeigen will, was sie kann.

Im Bereich Biomilch beweisen die Molkereien und Milchviehbetriebe seit Jahren, was sie können. Stabile Milchpreise, von denen die Konventionellen zuletzt nur träumen konnten, und ein unabhängiger, wachsender Markt sorgen für gute Stimmung.

50 % der deutschen Biomilch wird in Bayern produziert. Der Anteil an Biomilch in Bayern liegt damit bei 5,5 %, bundesweit beträgt der Anteil an Biomilch nur 2,7 %. „Da ist doch noch Luft nach oben“, erklärte Josef Wetzstein, Vorsitzender der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern (LVÖ), in Andechs. „Bio kommt“, meinte Wetzstein, „weil immer mehr Menschen darin eine Zukunft sehen, und weil immer mehr Bauern umstellen.“ Die Erzeugerpreise im Freistaat liegen derzeit bei rund 49 ct/kg Milch. Von der Milchkrise war im Biobereich nichts zu spüren. Während der lang anhaltenden Krise lagen die Biomilchpreise teilweise um 25 ct/kg über dem Preis für konventionelle Milch.

Bayern und Bio

In „Bioprodukten aus der Heimat“, sieht der LVÖ-Vorsitzende eine Riesenchance. An dieser Stelle bedankte er sich bei Bayerns Agrarminister Helmut Brunner für die Einführung des bayerischen Biosiegels und die umfangreichen Bemühungen des Ministeriums, den Biobereich weiter voranzubringen.

Für Bayerns Landwirtschaftsminister ist es von besonderer Bedeutung, dass sich die bayerischen Agrarprodukte von der Masse abheben. Im Vordergrund steht bei ihm das „Leitbild des bäuerlichen Familienbetriebs“. „Größe allein ist nichts alles“, machte Brunner in Andechs klar. Kritisch sieht er das Verbraucherverhalten. Nur 11 % des Einkommens würden für Nahrungsmittel ausgegeben werden: „Das ist letzten Endes auch ein Bildungsprozess“, den der Niederbayer mit verschiedenen Programmen und Beteiligungen (wie bei den Öko-Erlebnistagen) anschieben will.

Wichtig sei die Wertschöpfung auf den Betrieben, „dafür braucht man aber die Wertschätzung der Bevölkerung“, so Brunner. Zur Zukunft der Branche meinte er: „Der Biobereich ist insgesamt noch nicht da, wo er sein könnte“, obwohl es eine gute Dynamik bei den Umstellungszahlen gebe. „Die Erzeugung und der Verbrauch müssen Hand in Hand gehen“, ist Brunner überzeugt. Denn eine zu schnelle Steigerung des Angebots könnte die Preise kaputt machen.

Dass die „Biobranche die Lösung für viele ökonomische und ökologische Probleme ist“, davon ist Barbara Scheitz, Geschäftsführerin der Andechser Molkerei, überzeugt. Trotz des gewichtigen Arguments besserer Preise haben viele Lieferanten noch andere Argumente für die Umstellung auf Bio auf dem Zettel. Erika Höpfl, Lieferantin und Milchsprecherin für Naturland sagte: „Wenn es der Natur gut geht, geht es den Menschen gut“, und „die Natur braucht keine Menschen.“

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