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Milchmarktkrise

Wer bestimmt die Milchmenge?

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Rainer Königer, Wochenblatt
am
10.06.2016

München - Die Krise am Milchmarkt ist immer noch nicht ausgestanden.

Rainer Königer

Immer lauter werden die Rufe nach der Politik, endlich die Menge zu reduzieren. Übersetzt für die Milchviehhalter heißt das: „Bitte schreibt uns wieder vor, was wir zu tun haben. Wir selbst bringen das einfach nicht hin.“ Die Branche ist offensichtlich nicht in der Lage das Problem selbst zu lösen. Den „Schuh“ der Mengensteuerung will sich keiner anziehen. Aber warum nicht? Es wird wohl die Angst vor wütenden Protesten der Milchbauern sein, die sich keine Vorschriften machen lassen wollen. Für einen außen Stehenden - und nicht nur für den - ist diese Situation etwas paradox.
Stellen Sie sich nur vor, sie kaufen Futtermittel von ihrem Lieferanten, machen einen Preis aus, wissen aber nicht, wie viel sie geliefert bekommen. Würde das jemand machen? Ein wesentlicher Bestandteil von Kaufverträgen ist nun mal die Menge. Dass dies bei Milchkaufverträgen nicht der Fall ist, ist immer noch der Milchquote geschuldet. Die Quote war so etwas wie eine unsichtbare Mengenangabe in den Verträgen. Doch die Quote gibt es nicht mehr.
Die Frage ist nun: Wer schreibt demnächst die Menge in die Verträge? Warten die Milchviehhalter, bis es ein Außenstehender für sie tut? Es wäre schön, wenn die Milchviehhalter Herr der eigenen Produktionsmenge blieben, die sie dem Markt anpassen können und als freier Unternehmer auch sollten. Das hat erst einmal nichts mit Mengensteuerung zu tun. Es geht in einem ersten Schritt darum, die Milchmenge für einen bestimmten Zeitraum zu planen, um diese Menge am Markt zu verkaufen. Da die Planung mit der Wirklichkeit nicht immer übereinstimmt, sollten selbstverständlich Toleranzen eingebaut sein. Das Ganze wäre erst einmal neu, aufwändig, ungewohnt und völlig unerprobt. Einen Versuch wäre es aber allemal wert.

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