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Umfrage

Einigkeit - Milch-Mikado und 1000 Wege

Milchsplash
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Rainer Königer, Wochenblatt
am
05.07.2018

Was wollt ihr eigentlich? Stellt man dieses Frage allen Beteiligten in der Milchbranche, bekommt man höchstwahrscheinlich 27 453 verschiedene Antworten.

Stellt man diese Frage unter den Milchviehhaltern, bleiben wahrscheinlich 8327 verschiedene Antworten übrig. Festzuhalten bleibt, dass der Weg einer gemeinsamen Krisenintervention bei Milchkrisen nicht existiert. Je länger die Diskussionen dauern, desto mehr zerfällt das ganze Konstrukt wie ein Mikado-Spiel.

Dass es sich dabei um gezielt eingesetzte Streubomben der Milchindustrie handelt, wäre eine Unterstellung. Man darf sicher aber schon fragen, warum der MIV eine Umfrage unter den Erzeugern vornimmt. Aus Menschlichkeit? Das wäre neu. Und wenn am Ende herauskommt, dass die Milchbauern uneinig sind und eigentlich gar keine Veränderungen wollen, kann das dem MIV nur recht sein.

Ganz so aus dem Himmel gegriffen ist die Uneinigkeit unter den Milchviehhaltern aber sicher nicht. Konkurrenzkampf gibt es – wie überall – auch dort. Und das größte Dilemma, in dem die Milchviehalter stecken, ist die Tatsache, dass es einzelbetrieblich richtig ist, in Marktkrisen mindestens genau so viel zu produzieren wie vorher. Und bei guten Milchpreisen? Die Antwort kennen sie selbst! Gerade deswegen ist der Milchmarkt so schwierig.

Die Gesetze des Marktes scheinen für die Milch auf Erzeugerseite nicht zu gelten. Die Gesetze des Markts scheinen aber auch auf subtile Art für die Molkereien nicht zu gelten. Bei schlechten Preisen erwirtschaften die Molkereien offensichtlich die gleichen Renditen wie in Boomphasen. Würden die Molkereien Marktkrisen direkter spüren, müssten sie auf die Mengenbremse treten. Doch wollen das die Erzeuger? Stichwort Molkereiquote? Spätestens an diesem Punkt wären wir wieder bei 8327 verschiedenen Meinungen.

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