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Milchmarkt

EU-Milchanlieferung sinkt auf Vorjahresniveau

aiz
am
27.07.2016

Brüssel - Ab April sind Zuwächse kontinuierlich zurückgegangen.

Die Milchanlieferung in der EU hat sich in den ersten fünf Monaten dieses Jahres spürbar oberhalb des Niveaus von 2015 bewegt. Ab April sind die Zuwächse gegenüber dem Vorjahr aber spürbar zurückgegangen. Im Mai lag das Milchaufkommen im Zuge dessen sogar wieder auf dem Niveau des Vorjahres. Dies geht aus vorläufigen Berechnungen der deutschen Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) hervor.

Laut den Schätzungen der AMI wurde im Mai 2016 mit rund 14 Mio. t EU-weit ebenso viel Milch angeliefert wie im Vorjahresmonat. Bereits im April verringerte sich der Vorsprung gegenüber dem Vorjahresmonat auf 1,6%. Im ersten Quartal 2016 bewegte sich die Anlieferung an die Molkereien dagegen mit einem Plus von 5,7% noch deutlich oberhalb des Niveaus des entsprechenden Vorjahreszeitraumes. Von Januar bis Mai summierten sich die EU-weit angelieferten Milchmengen auf gut 66,1 Mio. t.

Zu dem verringerten Wachstum beim EU-Milchaufkommen im April und Mai dieses Jahres haben die Entwicklungen in den produktionsstärksten Mitgliedsländern der Union entscheidend beigetragen, allen voran Deutschland und Frankreich gefolgt von den Niederlanden, dem Vereinigten Königreich, Italien sowie Polen. In Irland, wo die Anlieferung von Januar bis April 2016 in Summe noch um 14,4% über dem Vorjahresniveau lag, wurde im April bereits ein Minus von 4,1% verzeichnet. In Österreich lag die Menge im Mai 2016 erstmals in diesem Jahr nicht mehr über dem Vorjahresniveau, sondern geringfügig darunter.

Die Milchanlieferung hat in der EU im Mai ihr diesjähriges Saisonhoch erreicht und befindet sich seitdem im saisonalen Abschwung. Bis in den November hinein wird sich dieser voraussichtlich fortsetzen und könnte aufgrund der unbefriedigenden Erlössituation auf der Erzeugerseite sowie der geplanten Maßnahmen zur Angebotsverringerung überdurchschnittlich ausfallen.

Weltweit gestiegene Produktion

Derzeit ist der EU-Milchmarkt aber immer noch von einem reichlichen Angebot geprägt. Diese Situation hat sich in den vergangenen Monaten durch deutliche Produktionssteigerungen in den meisten Mitgliedsländern ergeben. Weltweit wird bereits seit zwei Jahren eine spürbare Zunahme der Milcherzeugung verzeichnet. Die drei größten Produzenten und Exporteure (EU, USA, Neuseeland) haben ihre Mengen 2014 um 10 Mio. t und 2015 um weitere 4,5 Mio. t gesteigert. Die gleichzeitig gestiegene Inlandsnachfrage hätte einen Teil dieser Mehrproduktion (knapp 6 Mio. t) durchaus aufnehmen können. Das Russland-Embargo und die stark verringerte Nachfrage vonseiten des chinesischen Marktes haben jedoch den Angebotsdruck am Milchmarkt stark erhöht. Laut EU-Kommission ergab sich in den vergangenen drei Jahren ein Überschuss von knapp 6 Mio. t.

Um die Lage zu entschärfen, wurde innerhalb der EU durch verschiedene Maßnahmen (private Lagerhaltung, Intervention) eine Menge von 3,5 Mio. t Milchäquivalent zeitlich befristet vom Markt genommen. Mit dem in der vergangenen Woche von der EU-Kommission beim Agrarrat vorgestellten Hilfspaket soll eine weitere Verringerung des Angebots durch Lieferrücknahmen erreicht werden. Gleichzeitig könnte der 2016 erwartete Anstieg der Nachfrage nach Molkereiprodukten von 1% (das entspricht etwa 1,2 Mio. t Milchäquivalent) auf dem EU-Binnenmarkt für eine gewisse Entlastung am Markt sorgen. Wichtig ist laut Experten, dass die relativ hohen Lagerbestände (vor allem bei Butter und Magermilchpulver) langsam und marktkonform abgebaut werden, um nicht neuerlich für Preisdruck zu sorgen.

Exporte gesteigert

Im Außenhandel konnte die EU in den ersten vier Monaten dieses Jahres - im Gegensatz zu den USA, Australien und Neuseeland - Zuwächse verbuchen: Die Exporte von Molkereiprodukten wurden gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 6% (berechnet in Milchäquivalent) erhöht. Dazu trug insbesondere die höhere Nachfrage in China bei. Das Reich der Mitte kaufte vor allem mehr Butter und H-Milch vom Weltmarkt. Die Importe Russlands legten von Januar bis April 2016 um 14% zu (insbesondere durch höhere Einfuhren von Käse aus Weißrussland), sie erreichten aber bei weitem nicht das Niveau, das sie vor dem verhängten Import-Embargo aufwiesen. Auch die Zielmärkte Japan und Südkorea verzeichneten im genannten Zeitraum geringere Einfuhren von Milchprodukten, dennoch konnte die EU die Käselieferungen in diese beiden Länder spürbar steigern. In Summe geht die EU-Kommission davon aus, dass die Union ihre Exporte von Molkereiprodukten in diesem Jahr um 5% erhöhen kann, wobei Käse, Butter und H- Milch für entsprechende Steigerungen sorgen sollen.

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