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Milchmarkt

EU-Milchproduktion wird in den kommenden Jahren moderat zulegen

aiz
am
13.12.2016

Brüssel - Eine Prognose erwartet, dass die Europäische Union größter Anbieter am Weltmarkt werden dürfte.

Die Milchproduktion wird in den kommenden zehn Jahren sowohl in der EU als auch weltweit zunehmen, das Wachstum wird allerdings moderater ausfallen als in den vergangenen Jahren. Kurzfristig kann es weiterhin zu einem Ungleichgewicht zwischen Angebot und Bedarf kommen, dem entsprechend können Preisschwankungen, wie sie etwa in der EU seit 2007 beobachtet werden, nicht ausgeschlossen werden. Dies geht aus der jüngsten mittelfristigen Marktprognose der EU-Kommission ("Medium-term prospects for EU agricultural markets and income 2016-2026") hervor. Die fundamentalen Marktdaten werden künftig verstärkt das Milchangebot bestimmen, auch Umweltauflagen werden hier einen Einfluss ausüben, so die Kommission. Die EU wird der Prognose zufolge bis 2026 zum größten Exporteur von Molkereiprodukten werden - noch vor Neuseeland. Trotz der zunehmenden Ausfuhren dürften mehr als 85% der Erzeugnisse innerhalb des Binnenmarktes verbraucht werden.

Die von einem globalen Überangebot ausgelöste und durch das Russland-Embargo verstärkte Milchmarktkrise hat dazu geführt, dass im Juli 2016 der durchschnittliche Erzeugermilchpreis in der EU seinen tiefsten Wert seit dem Jahr 2009 erreichte. Danach setzte langsam eine Phase der Erholung ein, die sich zuvor schon in Form von steigenden Notierungen für Milchbasisprodukte abzeichnete. Durch eine verringerte EU-Produktion, marktentlastende Maßnahmen (Intervention) und das Hilfspaket für die Milchbauern gelang es laut Kommission, eine Trendwende einzuleiten. Auch die sinkende Anlieferung in Australien, Argentinien und Uruguay trug dazu bei. Auf der Abnehmerseite kam es gleichzeitig zu einem steigenden Importbedarf wichtiger Käufer wie China, USA, Philippinen, Mexiko; insbesondere Käse und Butter wurden verstärkt nachgefragt.

Das Ausmaß der Erholung am Milchmarkt könne derzeit noch nicht exakt eingeschätzt werden, heißt es in der Marktprognose. Die USA seien ein limitierender Faktor, weil dort die Produktion in diesem Jahr um 2% gesteigert werde. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor wären die stagnierenden Preise von Magermilchpulver, das in der EU als Schlüsselprodukt gelte. Die öffentlichen Lagerbestände seien hier relativ hoch, daher werde die Kommission die Auslagerung von Milchpulver "marktkonform" vornehmen.

Weltweit steigender Konsum

Nach einer Stagnation im vergangenen Jahr werde der globale Bedarf an Milchprodukten in den kommenden Jahren wieder zunehmen, allerdings in geringerem Umfang als bisher, erwartet die Kommission. Als bestimmende Faktoren nennt sie in diesem Zusammenhang das etwas langsamere Bevölkerungswachstum (auch in China), die steigenden Durchschnittseinkommen in den Entwicklungs- und Schwellenländern, die Urbanisierung und die wachsende Mittelschicht in vielen Ländern. Im Schnitt soll der Konsum von Milchprodukten im kommenden Jahrzehnt um 1,8% jährlich steigen, das wären rund 16 Mio. t Milchäquivalent. Der höchste Zuwachs wird dabei in Indien erwartet, aber auch in Australien, der EU und den USA soll der Verbrauch zulegen. In Asien, wo der Pro-Kopf-Konsum generell geringer ausfällt, steht einem Plus in China eine Stabilisierung des Verbrauchs in Japan gegenüber. In Afrika dürfte das Bevölkerungswachstum in zahlreichen Regionen ebenfalls für einen steigenden Bedarf sorgen.

Der zunehmende Verbrauch an Milcherzeugnissen wird der Prognose zufolge die Produktion speziell in den Entwicklungsländern ankurbeln. So wird in Indien eine jährliche Steigerung um 5,5 Mio. t erwartet, um die Eigenversorgung sicherstellen zu können. In anderen Regionen, insbesondere in Afrika, China, in verschiedenen asiatischen Ländern sowie im Mittleren Osten dürfte die (zunehmende) Produktion nicht mit dem wachsenden Bedarf mithalten können. Die Folge wäre ein höherer Importbedarf bei Erzeugnissen wie Käse, Butter Milchpulver und Molke.

China bleibt größter Importeur

China wird der Prognose zufolge der größte Importeur von Molkereiprodukten bleiben und 2026 in diesem Bereich einen Welthandelsanteil von rund 15% aufweisen. Dennoch dürfte das Reich der Mitte bei den Einfuhren von Vollmilchpulver nicht mehr die Höchstwerte des Jahres 2014 (670.000 t) erreichen. Sehr wohl wird aber bei Magermilchpulver mit einer deutlichen Ausweitung der Einfuhren gerechnet, gleiches gilt für Produkte wie Käse, Butter und H-Milch. China ist der größte Kunde der EU, was Fertignahrung für Kleinkinder betrifft.

Japan wird den Angaben zufolge seine Importe an Molkereiprodukten bis 2026 relativ stabil halten, der Anteil von Käse an den Gesamteinfuhren wird dabei allerdings auf rund 80% ansteigen. Afrika, und hier insbesondere der Norden des Kontinents, soll im kommenden Jahrzehnt seine Importe an Milchpulver forcieren, während Ägypten mehr Käse und Butter am Weltmarkt einkaufen wird. Der Mittlere Osten soll künftig ebenso seine Einfuhren an Molkereiprodukten anheben und einen Weltmarktanteil von 13% erreichen.

Fragezeichen Russland

Russland, das mit dem im August 2014 verhängten Import-Embargo seine Einfuhren an Molkereiprodukten schlagartig verringerte, zählt zu den großen "Fragezeichen" in der Mittelfrist-Prognose der Kommission. Sollte das Embargo demnächst aufgehoben oder auf weniger Produkte beschränkt werden, so werde der Umfang der Importe dennoch nicht mehr so hoch wie vor 2014 ausfallen, so die Experten. Längerfristig dürfte der russische Einfuhrbedarf auch aufgrund einer höheren Eigenerzeugung nicht mehr als 400.000 t (Produktgewicht) ausmachen.

EU wird größter Anbieter am Weltmarkt

In den kommenden zehn Jahren dürfte die EU innerhalb der großen Exporteure das höchste Wachstum in der Milchproduktion aufweisen, nämlich 1,3 Mio. t/Jahr, gefolgt von den USA mit 1,2 Mio. t, während in Neuseeland nur ein Plus von 0,5 Mio. t prognostiziert wird. Der steigende Inlandskonsum dürfte speziell in den USA einen großen Teil des Produktionszuwachses aufnehmen und damit das Potenzial für US-Exporte limitieren. Dem gegenüber könnte die EU, die bis zum Jahr 2016 ihre Erzeugung auf 177 Mio. t erhöhen dürfte, etwa die Hälfte der Mehrproduktion am Weltmarkt absetzen. In Neuseeland wird generell davon ausgegangenen, dass die gesamte Produktionssteigerung in verarbeiteter Form in den Export wandern wird.

Der Anstieg der EU-Milchproduktion werde im kommenden Jahrzehnt moderater als in den vergangenen Jahren und enger mit dem Markt abgestimmt ausfallen, stellt die Kommission in ihrem Outlook fest. Auch umweltpolitische Rahmenbedingungen (Phosphat- und Nitratproblematik in mehreren Mitgliedsländern sowie Maßnahmen zur Verringerung der Treibhausgase) könnten als limitierender Faktor das Wachstum beschränken.

Die Erzeugermilchpreise dürften sich in der EU in den kommenden Jahren weiter erholen. Allerdings würden die hohen Bestände in der öffentlichen Lagerhaltung im Umfang von umgerechnet rund 2,7 Mio. t Milch den Preisaufschwung in den nächsten Jahren bremsen. Obwohl ein steigender Anteil der EU-Rohmilch zu Käse verarbeitet werde, korreliere das Milchpreisniveau immer noch stark mit dem Niveau der Butter- sowie Milchpulvernotierungen in der EU und am Weltmarkt. Demnach dürften die Bauernmilchpreise in der zweiten Hälfte des Prognosezeitraumes stärker zulegen als vorher.

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