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Branchenorganisation

Frage des Bootes

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Rainer Königer, Wochenblatt
am
09.03.2017

München - Wenn man sich in diesen Tagen über den Milchmarkt unterhält, fällt immer wieder der Begriff Branchenorganisation (BO).

Die Idee dahinter ist einfach, die Umsetzung schwierig. Bei einer BO sitzt im besten Falle eine ganze Branche, vom Erzeuger bis zum Handel, an einem Tisch und stellt gemeinsame Regeln auf. Im Falle der Milch wären das die Milchviehhalter, die Molkereien und der Lebensmitteleinzelhandel (LEH).

Von Seiten der Milchviehalter gibt es offensichtlich eine breite Zustimmung über alle politischen Lager hinweg. Vom LEH ist in Sachen BO nichts zu erwarten. Wer so vor Macht strotzt, hat kein Interesse an einer Zusammenarbeit, und für die Anerkennung einer BO muss der LEH nicht mit im Boot sitzen. Doch wie sieht es mit den Molkereien aus? Wollen die Molkereien eine BO? Man hat den Eindruck, den Molkereien ist diese Diskussion unangenehm. Ein bisschen miteinander reden ist ja ganz nett, aber gemeinsame Regeln aufstellen? Zusammen mit den Milchviehhaltern? Lieber nicht.

Stattdessen beugt man sich dem Druck des Handels und steigt auf den Dampfer des LEH. Doch dieser Dampfer gleicht inzwischen eher einem Sklavenschiff. Ein Miteinander gibt es auf diesem Schiff nicht. Dort werden die Preise diktiert und Molkereimarken, die eigentlich Geld bringen sollten, werden über Bord geworfen und durch Handelsmarken ersetzt. Kann man das als Molkerei wollen?

Eine besondere und denkwürdige Rolle in diesem Spiel nehmen die Genossenschaftsmolkereien ein. Hier sind die Milchviehhalter auch Eigentümer der Molkerei. Noch einmal zum Anfang: Milchviehhalter wollen eine BO, Molkereien nicht. Wenn ich beides in einer Person bin, wird es offensichtlich schwierig. Schlagen dann zwei Seelen in einer Brust? Welche Seele spricht lauter? Oder wollen die eigentlichen Eigentümer – gerade bei Molkereiriesen – etwas anderes als die Geschäftsführer?

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