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Milchmarkt

Glyphosat - Einstieg in den totalen Ausstieg?

Berchtesgadener Goldsteig
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Gerd Kreibich, Wochenblatt
am
10.01.2018

Die Molkerei Goldsteig GmbH untersagt Lieferanten die Verwendung von Glyphosat.

Die Gesellschafter der Goldsteig GmbH haben beschlossen, durch Anpassung der Milchlieferordnung die Anwendung von Glyphosat oder glyphosathaltigen Mitteln (z.B. „Roundup“) bei ihren Milcherzeugerbetrieben zum 1. Januar 2018 zu untersagen. Diese Entscheidung gelte auch für die Milch, die aus dem Nachbarland Tschechien zugekauft wird. Der Beschluss sei nach intensiver Diskussion in den bäuerlichen Aufsichtsgremien des Unternehmens in Abwägung der Interessen der Milcherzeuger und dem „verständlichen Wunsch der Verbraucher“ auf das umstrittene Herbizid zu verzichten, gefällt worden, heißt es in der Mitteilung.

„Wir sind davon überzeugt, mit dieser Entscheidung einen weiteren Schritt in Richtung Kunden­orientierung gemacht zu haben. Wir kommen damit nicht nur den Verbraucherwünschen nach einem starken Signal aus der Landwirtschaft zu diesem Thema nach, sondern positionieren uns auch gegenüber unseren Handelskunden klar“, so das Molkereiunternehmen.

„Selbstverständlich“ sei man sich bewusst, dass mit dieser Entscheidung von den Milchbauern ein weiteres Stück Flexibilität gefordert wird. Die klare Mehrheit für das Verbot der Glyphosatanwendung belege aber die Bereitschaft der Lieferanten, hier Verantwortung zu übernehmen.

Zweifel des Bauernverbandes

Beim Bayerischen Bauernverband in Niederbayern und der Oberpfalz hat man an dieser Argumentation allerdings Zweifel.

Josef Wutz, BBV-Bezirkspräsident in der Oberpfalz, sprach gegenüber dem Landwirtschaftlichen Wochenblatt von einer „Form des vorauseilenden Gehorsams“ des Molkereiunternehmens gegenüber dem Lebensmitteleinzelhandel. Dies habe sich schon gezeigt, als man bei der Goldsteig begonnen hatte, Milch aus Anbindehaltung getrennt von der Milch nicht angebundener Kühe zu sammeln. Und Wutz befürchtet, dass man das jetzt beschlossene Glyphosat-Verbot bei Goldsteig noch ganz anders deuten könne, nämlich als „Einstieg in den Ausstieg aus der Verwendung jeglicher Pflanzenschutzmittel. Dem Verbraucher wurde in der Diskussion um Glyphosat suggeriert, dass dieses Mittel auf jeder landwirtschaftlichen Fläche in Bayern gewissermaßen massenhaft ausgebracht wird. Tatsache ist aber, dass Glyphosat sehr verantwortungsbewusst und wirklich nur dann, wenn es unbedingt notwendig ist, auf Agrarflächen verwendet wird und das schadet der Umwelt sicher weniger als die in manchen Fällen ohne dieses Mittel notwendige Bodenbearbeitung, die zwei bis drei mal durchgeführt werden muss mit allen Folgen, beispielsweise für den wertvollen Humus“.

Ähnlich argumentiert Gerhard Stadler, BBV-Bezirkspräsident in Niederbayern. Er stellt die Frage, warum ein Mittel, das von den entsprechenden Fachstellen nach eingehender Prüfung zur Verwendung zugelassen wurde, jetzt auf teilweise sehr unsachliche Diskussionen hin  vollständig verbannt wird, anstatt dies differenzierter zu betrachten. „Wir können dies nicht nachvollziehen, gehen aber davon aus, dass die Genossenschaft ihre Entscheidung in Abstimmung mit den Lieferanten wohl überlegt haben wird.“ so Stadler. „Allerdings müssen wir aufpassen, dass die Auflagen für die Erzeuger nicht immer weiter nach oben geschraubt werden, ohne hierfür einen angemessenen Ausgleich zu bekommen.“

Zudem werde der auch bisher schon praktizierte verantwortungsvolle Einsatz des Mittels nicht honoriert. Dies sei bei manchen Betrieben auch fachlich nicht nachvollziehbar und führe zu Problemen.

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