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Milchbranche

Immer was los

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Rainer Königer, Wochenblatt
am
02.02.2017

München - In der Milchbranche ist immer Bewegung. Beim deutschen Molkereiriesen DMK kündigen reihenweise die Lieferanten ihre Verträge, der dänische Riese Arla will im Allgäu Standardverträge durchboxen und Lidl schmust sich mit dem Tierschutzbund an zahlungsfreudige Kunden heran, und will – so heilig muss man als kaltblütiger Großkonzern mal sein – Tierschutz-Milch auf den Markt bringen. Im gleichen Atemzug wird auf der Grünen Woche mit großem Trara ein neues Tierwohllabel vorgestellt, das dem Verbraucher süße Gutmenschlichkeit aufs politisch gewollte Billigbrot schmiert.

Doch was heißt das für den Milchviehhalter? Im Falle DMK scheint es sich um einen kernigen Privatkrieg zwischen AbL und Molkereiführung zu handeln. So lange die Jungs aus dem Norden nicht an bayerische Molkereien liefern wollen, darf uns das im Süden egal sein. Im Fall Arla sind die Verträge zwar vorerst gekündigt, doch wohl dem, der sich in einer Dachorganisation wie der Bayern MeG befindet, die bei Verhandlungen hilft und nötigenfalls auch bei Molkereiwechseln ihre Erfahrung und Marktposition einbringt.

Das Thema Tierwohl: Ja mei, scho‘ wieda. Aber es hilft nix. So schnell wird uns das Thema nicht verlassen. Vor dem Tierwohllabel braucht man vorerst keine Angst zu haben. Bevor das kommt, hat der Markt die Sache geregelt. Milchviehhaltern, denen höhere Erlöse versprochen werden, darf man nicht verübeln, wenn sie sich an solchen Programmen beteiligen. Ein scharfes Auge muss man auf den Handel richten. Wenn der Handel die Hoheit über die Marken gewinnt, kann er treiben was er will.

Und was macht der Verbraucher? Entweder muss er jeden Groschen umdrehen, um über die Runden zu kommen, oder er fährt mit seinem Porsche Cayenne vor und kauft sich stolz und überlegen Tierwohl-Milch. Das Thema Tierwohl ist ein Wohlstandsbegleiter, das Thema Menschenwohl offensichtlich nicht.

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