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Biomilchmarkt

Jenseits des Weltmarkts

Molkerei Andechs
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Rainer Königer, Wochenblatt
am
31.08.2017

Andechs - Der deutsche und bayerische Biomilchmarkt scheint völlig unbeeindruckt vom Weltmarkt zu sein.

 

Die Arbeit eines Landwirts ist kompliziert geworden. Nicht nur Fragen der Produktionstechnik, neue Auflagen und Bürokratielawinen machen den Unternehmern das Leben schwer, auch das Wissen um die Vermarktung und die Märkte wird ein immer wesentlicheres Element der täglichen Arbeit.

In den meisten Branchen ist es notwendig, den Blick an die Börse nach Chicago zu richten, oder das Einkaufsverhalten Chinas am weltweiten Milchmarkt unter die Lupe zu nehmen. Weltmarkt und Globalisierung stehen auf dem Beipackzettel der heimischen Produktion, zuweilen mit gravierenden Folgen für den einzelnen Landwirt. Das hat die jüngste Milchmarktkrise gezeigt, die leider vielen Betrieben das Genick gebrochen hat.

Völlig unbeeindruckt vom Weltmarkt scheint der deutsche und bayerische Biomilchmarkt zu sein. Nervöse Preissprünge und anhaltende Preistäler gab es in den vergangenen Jahren nicht. Seit 2014 – das ist für einen Markt eine halbe Ewigkeit – hat sich der Erzeugerpreis für Biomilch auf durchschnittlich gut 48 Cent pro Kilogramm eingependelt. Die Aufhebung der Kopplung des Biomilchpreises an den konventionellen Milchpreis war offensichtlich ein Segen. Die Biobranche erfreut sich einerseits wachsender Beliebtheit, andererseits scheinen die Bio-Molkereien eine mögliche Überhitzung des Marktes auszubremsen, indem keine oder nur wenige neue Lieferanten mehr aufgenommen werden.

Dem Biomilchmarkt ist der Weltmarkt egal. Und – das scheint noch viel wichtiger zu sein – dem Weltmarkt ist der Biomilchmarkt egal. Bio ist ein deutsches, maximal ein mitteleuropäisches Thema. Wenn in China „a Radl umfoid“, darf das dem bayerischen Biomilchbauern egal sein, der konventionell wirtschaftende Milcherzeuger muss dann leider schon wieder zittern.

Mit Material von Rainer Königer, Redakteur
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