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Milch

Die kalte Hand des Weltmarkts

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Rainer Königer, Wochenblatt
am
11.08.2016

München - Der Milchmarkt hellt sich zum Glück weiter auf. Das tiefe Tal scheint durchschritten.

Gerade in Krisenzeiten wird viel darüber gesprochen, wie man den Kopf aus der Schlinge ziehen kann. Der Kopf sind dabei die Milchviehhalter, die Schlinge ist der Weltmarkt, der den Milchbauern bei schlechten Marktlagen die Luft abdrückt. Wenn die Luft zum Atmen fehlt, sind es die Erzeuger, die die volle Wucht zu spüren bekommen.

An allen anderen in der Wertschöpfungskette geht dieser Druck fast ohne Beeinträchtigungen vorbei. Gerechtigkeit sieht anders aus. Wenn man ein gutes partnerschaftliches Verhältnis auf seine Fahnen schreibt, dann gehört es auch dazu, schlechte Zeiten gemeinsam durchzustehen, nicht auf Kosten nur einer Partei. Wenn Molkereien ihre Verträge mit Milcherzeugergemeinschaften aufkündigen, ist das alles andere als partnerschaftlich, und wenn der Lebensmitteleinzelhandel die Preise drückt, bis sie nur noch mit der Lupe zu lesen sind, ist auch das alles andere als partnerschaftlich.

Wenn es um Krisenbewältigung geht, spielt eine gute Vermarktung und gutes Image sicher eine Rolle – siehe Molkerei Berchtesgadener Land. Das ist aber nur einer von vielen Aspekten. Wie solche Krisen tatsächlich und gemeinschaftlich bewältigt werden können, gehört weiter ganz oben auf den Zettel, auch wenn die Milchpreise in näherer Zukunft wieder steigen werden. Das offenkundige Missverhältnis in diesem System nach dem Motto: „Den Letzten beißt der Weltmarkt“ kann und wird hoffentlich niemandem gefallen. Oder kennen Sie jemanden, der das gut findet? Stattdessen heißt es resigniert: „Das ist die bittere Realität!“ Doch wer bestimmt diese Realität? Es scheint eine nicht mehr greifbare Macht zu sein, die mit kalter Hand die weltweiten Wirtschaftsströme lenkt und kein Gewissen kennt.

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