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Milchforum

Kartellamts-Blues

Rainer Königer
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Rainer Königer, Wochenblatt
am
30.03.2017

München - Beim 8. Berliner Milchforum flatterten auch die neuesten Erkenntnisse des Bundeskartellamts auf den Tisch. Wie bereits berichtet, hat sich die Wettbewerbsbehörde die Verträge zwischen Milchviehhaltern und Molkereien einmal näher angeschaut und festgestellt, dass die Macht- und Marktverhältnisse einfach nicht passen.

Um den Milchviehhaltern zu helfen, werden unter anderem kürzere Vertragslaufzeiten vorgeschlagen. Auch die Forderung der Erzeuger nach einer Branchenorganisation (BO) bekommt durch den Bericht des Kartellamts weiteren Rückenwind.

Doch woran scheitert die Gründung einer BO? Es sind die Molkereien. Wenn man die Aussagen des Milchindustrie-Verbandes (MIV) hört, weiß man: Es besteht kein Interesse, die Erzeuger mitreden zu lassen. Absurderweise haben, bzw. hatten wir in Bayern so etwas wie eine BO: nämlich die Landesvereinigung der Bayerischen Milchwirtschaft. Doch die wird es in der jetzigen Form wohl nicht mehr geben. Die Umlage, aus der sich die Landesvereinigung finanziert, wird auf Null gesetzt und die Gefahr, dass das neue Konzept von Seiten der Molkereien die Erzeuger aussperrt, ist groß. Kurzum: Die Entwicklung geht genau in die falsche Richtung. Dass eine bayerische BO Milch den Markt nicht aushebeln kann, ist sicher richtig. Dass eine deutsche BO Milch den Weltmarkt nicht regeln kann, ist auch klar.

Doch wenn man nicht gewillt ist, sich zusammenzusetzen, wird es bei der nächsten Marktkrise wieder unzählige Betriebe in Bayern treffen, die ihre Stalltüren für immer schließen müssen. Das Höfesterben wird weiter gehen. Und um es jetzt einmal überspitzt auszudrücken: Irgendwann wird es noch genau so viele Milchviehhalter wie Molkereien geben. Oder haben Sie in der Krise schon etwas von einem Molkereisterben gehört? Leben und leben lassen! Mit dieser bayerischen Grundeinstellung sollten wir endlich beginnen.

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