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Milchpreis

Nach der Krise ist vor der Krise

Dieser Artikel ist zuerst im Bayerischen Landwirtschaflichen Wochenblatt erschienen.

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von , am
12.10.2017

München - Der Milchmarkt ist derzeit noch relativ stabil. Das kann sich aber wieder schnell ändern. Die Frage ist nur: In welche Richtung?

Rainer Königer
© Archiv/BLW

Dass sich die Butterpreise und der Markt für Milchfett dauerhaft auf höchstem Niveau halten, ist eher unwahrscheinlich. Auf der anderen Seite schwächelt die Verwertung des Eiweißes nach wie vor. Das Magermilchpulver dümpelt bei Preisen um das Interventionsniveau und die EU hat wieder einiges an Pulver gekauft und eingelagert. Zusammen mit der privaten Lagerhaltung warten fast 400.000 Tonnen Magermilchpulver auf bessere Zeiten. Das Zeug muss irgendwann raus und sollte den Markt, wenn er denn wieder anzieht, nicht zu sehr dämpfen und ausbremsen. Hier bedarf es viel Fingerspitzengefühls von Seiten der Politik.

Viel Fingerspitzengefühl braucht die Milchbranche auch im Umgang mit sich selbst. Es gibt kaum eine Branche, in der so viele Befindlichkeiten bestehen, und jedes Wort des anderen auf die goldene Milchwaage gelegt wird. Das macht die Sache nicht einfacher. Dabei gäbe es viel zu tun. Denn leider ist nach der Krise, vor der Krise. Und dann steht man wieder mit leeren Händen da und weiß nicht, was man tun soll. Es ist schon schwer, zwei Bauern unter einen Hut zu bringen. Bei der Gründung einer Branchenorganisation müssten sich aber Erzeuger, Molkereien und Lebensmitteleinzelhandel (LEH) die Stühle um den selben Tisch teilen. Diese Bereitschaft ist von Seiten der Molkereien und des LEH derzeit leider gleich null.

In einem ersten Schritt könnte man versuchen, Erzeuger und Molkereien zusammen zu bringen. Es wäre doch schön, wenn die Milchbauern bei den Entscheidungen und dem Mengenmanagement der Molkereien mitreden könnten. Ein uraltes Modell, das sich Genossenschaft nennt, aber in Zeiten des eiskalten Weltmarkts an Erfrierungen leidet.

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