Login
Milch von Ziegen und Schafen

Lieber klein, aber dafür fein

Vorschaubild
Rainer Königer, Wochenblatt
am
04.05.2017

München - Für Schaf- und Ziegenmilch gibt es durchaus einen Markt. Schaut man sich die Milchmengen an, ist es ein Markt, der sich derzeit eher in einer Nische bewegt.

In der Nische zu arbeiten hat Vorteile und Nachteile. Der Nachteil: Es gibt kaum Verabeiter und kaum Berufskollegen in der Nachbarschaft, mit denen man sich fachlich austauschen könnte. Wer Milchschafe und -ziegen hält, ist auf sich alleine gestellt, auch in der Vermarktung. So wundert es nicht, dass viele Betriebe ihre Produkte selbst vermarkten. Self made heißt das auf Neudeutsch. Produzieren, verarbeiten, vermarkten: Um alles muss man sich selbst kümmern.

Jenseits der Nische sieht das anders aus. Produktion, Verarbeitung, Handel und Verkauf sind meist klar voneinander getrennt. Und der Einfluss der Produzenten auf die nachgelagerten Bereiche ist quasi gleich Null. Wirft man einen Blick auf den konventionellen Kuhmilchmarkt, wird schnell deutlich, wie wenig Einfluss der Milchviehhalter in der ganzen Kette hat. In dieser ohnmächtigen Situation befinden sich viele Landwirte, von der Fleischerzeugung bis zum Ackerbau.

Die Nische des Schaf- und Ziegenmilchmarktes hat also ihre Vorteile. Die Frage ist nun, wie man die Marktstrukturen verbessern kann, will oder überhaupt soll. Sebsthilfegruppen wie der Verein der Bayerischen Milchschafhalter spielen dabei eine wichtige Rolle (siehe Seite 36). Der Austausch untereinander ist bei kleinen Berufsgruppen enorm wichtig. Hier kann man sich Tipps abholen, den Kollegen Ratschläge geben oder einfach nur Fachsimpeln.

Wenn es die Branche schaffen würde, die heimische Nachfrage langsam und behutsam mit bayerischen Produkten zu bedienen, wäre das prima. Den Weltmarkt darf man aber gerne Weltmarkt sein lassen. Lieber unabhängig und klein, aber dafür fein.

Auch interessant