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Milchmarkt

Marktpsychologie und Kollegialität

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Rainer Königer, Wochenblatt
am
06.10.2016

München - Wenn man derzeit auf den Milchmarkt schaut, darf man optimistisch sein.

Die Milchmengen sind zurückgegangen, die Lagerbestände schrumpfen und teilweise kann die Nachfrage aus dem Handel nicht mehr bedient werden. Und das wird und muss endlich positiven Einfluss auf die Erzeugerpreise nehmen. Die Frage ist: Wann? In Bayern gibt es die ersten Molkereien, die im Oktober wieder 30 Cent je Kilogramm ausbezahlen. Andere Molkereien ziehen hoffentlich bald nach. Ein Problem waren und sind langfristige Kontrakte mit dem gnadenlosen Lebensmitteleinzelhandel zu schlechten Preisen, aus denen die Molkereien nicht herauskommen.

Andererseits – so hört man in der Branche – wollen die Molkereien im Freistaat mehr Milch von ihren Lieferanten, denn die hohen Preise für Spotmilch will keiner bezahlen. Wenn es jetzt Unternehmen trifft, die zu Zeiten hohen Milchaufkommens ganze Erzeugergemeinschaften vor die Tür gesetzt haben, hält sich das Mitleid für diese Molkereien in Grenzen. Spannend wird auch sein, wie sich der freiwillige Lieferverzicht gegen Entschädigung auswirkt. Schon mit der ersten Ausschreibungsrunde sind die 150 Millionen Euro fast vollständig aufgebraucht. Auch wenn die Mengen vielleicht nicht allzu stark zurückgehen (Mitnahmeeffekte), der psychologische Effekt auf den Markt ist nicht zu unterschätzen. Vergangene Woche haben die Erdöl exportierenden Länder beschlossen, die Ölförderung zurückzufahren. Die Mengen, um die es geht, sind minimal, trotzdem stieg der Erdölpreis am selben Tag um fünf Prozent.

Nicht vergessen darf man an dieser Stelle andere landwirtschaftlichen Betriebe, denen es auch nicht gut geht, und die den Milchviehhaltern die Unterstützung gönnen. Denn eine staatliche Förderung für die „Nicht-Produktion“ hätten andere Zweige wohl auch gerne.

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