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Milchmarkt

Markttreiber

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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
01.06.2017

München - Die Differenzierung am Frischmilchmarkt geht ausschließlich über Emotionen.

Wolfgang Piller

Es gibt keine Marke, kein Label und keinen Aufdruck auf einer Verpackung, der das Versprechen liefert „Ich schmecke besser“. Stattdessen versprechen sie ein gutes Gefühl für den Käufer. Der will mit seiner Auswahl etwas Gutes tun, zum Beispiel für den Erzeuger in seiner Heimat oder für kurze Transportwege (Stichwort Regionalität), für die Umwelt (Stichwort Bio), gegen die bedrohliche Gentechnik und jetzt halt auch für mehr Tierwohl.

In einem Markt, dem es weder an der Qualität und der Vielfalt seiner Produkte mangelt, noch an der allgemeinen Kaufkraft der Verbraucher, ist es alleine eine unternehmerische Entscheidung, diesen Verbraucherwunsch zu bedienen. Das gilt für die Händler, also Aldi und Lidl, für die Molkereien und genauso für die Milcherzeuger. Sie alle machen es, weil sie sich einen zusätzlichen Gewinn versprechen. Der kann, muss aber nicht in höherem Einkommen bestehen. Die Molkerei will vielleicht ihre Kunden noch mehr an sich binden, der Discounter mehr Verbraucher in seine Läden locken. Wenn diese auch noch für mehr Tierschutz mehr Geld auszugeben bereit sind, wird keiner Nein sagen.

Bei den Erzeugern ist es schon etwas anders: Sie sind diejenigen, die das ganze Unterfangen überhaupt erst möglich machen, indem sie ihre Tierhaltung entsprechend organisieren. Und sie sind es, die tatsächlich auch spürbare Investitionen leisten müssen – auch wenn sie durch Vorleistungen schon teilweise erbracht sind. Dass die Erzeuger nun auch die zusätzlichen Cent für die Milch brauchen, liegt auf der Hand. Den Teilnehmern einen Vorwurf daraus zu machen, sie würden unter Umständen etwas zur Normalität machen, was dann alle ohne Ausgleich erbringen müssen, ist hingegen unfair. Nicht sie sind es, die den Markt antreiben, es sind immer noch die Kunden und in diesem Fall deren Emotionen.

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