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Erzeugerpreise

Milchmarkt - Abwarten ist der falsche Weg

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Rainer Königer, Wochenblatt
am
10.11.2016

München - Die Lage am Milchmarkt hat sich zum Glück deutlich verbessert.

Rainer Königer

Aber auch wenn die Erzeugerpreise wieder langsam steigen, die Milchkrise ist noch nicht überwunden und nach der Krise ist vor der Krise.

Jetzt ist es an der Zeit, die Köpfe zusammenzustecken. Instrumente müssen gefunden werden, um die Höfe nicht wieder in ruinöse Marktphasen zu treiben. Dass dies nicht einfach ist, steht fest, denn der freie Markt ist gnadenlos und die Politik ist nicht gewillt, wieder engere Leitplanken einzuziehen.

Das Problem muss innerhalb der Branche gelöst werden. Molkereien und Handel müssen mitziehen und sich auch zu ihren Lieferanten bekennen. Diese Verantwortung sollte unter Marktpartnern selbstverständlich sein. Zu spüren ist davon aber noch nichts. Es fehlt einfach der Druck und der Rohstoffproduzent steht in diesem Falle paradoxerweise immer noch am Ende der Nahrungskette. Innerhalb der Milchbauernschaft gibt es logischerweise verschiedene Philosophien, wie man gegen diese Ohnmacht ankämpfen kann. Klar ist aber auch, dass alle das Gleiche wollen: einkömmliche und vernünftige Erzeugerpreise! Dessen sollte man sich immer bewusst sein, wenn es zu hitzigen und vielleicht überhitzten Debatten kommt. Die jetzigen Diskussionen über die Neugestaltung der Lieferbeziehungen und verschiedene Modelle der Preisabsicherung sind absolut richtig, stellen aber die gewachsenen Erzeugerstrukturen vor eine Zerreißprobe.

Die Vorsitzenden der Milcherzeugergemeinschaften sind gerade in dieser Phase nicht zu beneiden. Dass neue Verträge Besserung bringen, ist nicht garantiert, aber wenn alles beim Alten bleibt, wird sich nichts ändern. Was auf keinen Fall passieren darf, ist das Aufbrechen dieser Strukturen, die Rückkehr zu Einzelverträgen und der Verlust des zarten Pflänzchens der Marktmacht der Erzeuger.

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