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Rückblick

Milchmarkt - Katastrophentage der B.M.G.-Pleite

Milchlaster
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Rainer Königer, Wochenblatt
am
21.06.2018

Zwar mit Vorwarnung, dann aber doch von einem Tag auf den anderen, waren zehn Milcherzeugergemeinschaften der Bayern MeG mit rund 500 Erzeugern betroffen.

In der Bayern MeG bündeln sich aktuell 125 Erzeugergemeinschaften mit einer Milchmenge von 5,2 Mrd. kg. Vergangene Woche kamen auf der Sitzung des Vorstands und des Aufsichtsrats in Herrsching vier neue Mitgliedsorganisationen hinzu: Milcherzeugergemeinschaft Weiden, Marburger Molkereigenossenschaft, Milchliefervereinigung Baiernrain-Arget und die Molkereigenossenschaft Hainichen.

Die Größe und vor allem das Netzwerk der Vermarktungsorganisation haben dazu beigetragen, dass die B.M.G.-Pleite im Frühjahr nicht noch schlimmere Konsequenzen für die B.M.G.-Lieferanten mit sich brachte. „So etwas habe ich noch nicht erlebt“, so Geschäftsführer Markus Seemüller über die dramatischen Folgen der Insolvenz des größten deutschen Milchhändlers. Zwar mit Vorwarnung, dann aber doch von einem Tag auf den anderen, waren zehn Milcherzeugergemeinschaften der Bayern MeG mit rund 500 Erzeugern betroffen. Die Milch wurde nicht mehr abgeholt, schnelle Lösungen mussten her. Die Telefondrähte bei den Bayern MeG Mitarbeitern glühten.

Stress pur

„Unglaublich wichtig war das Netzwerk“, erklärte Seemüller, und so sprangen einige Molkereien dankenswerterweise ein (nicht alle, die angefragt wurden), um die Milch aufzunehmen. „Wenn es die Bayern MeG mit diesem Geschäftsführer nicht gegeben hätte, wären wir wie Bettelleute vor den Molkereien gestanden“, gab der 1. Vorsitzende Herbert Maier zu verstehen. Ein besonderer Dank geht von Seiten der Bayern MeG an die Speditionen. Die Fahrer holten die Milch, wussten teilweise aber nicht wohin damit. Anfangs war auch oft nicht klar, wer die Speditionen am Ende bezahlt.

Den größten Schaden müssen die Milchlieferanten hinnehmen. Es blieb zwar keine Milch stehen, aber in solchen Situationen lässt sich natürlich nicht um Milchpreise feilschen. Erst nach und nach konnten wieder ordentliche Milchkaufverträge mit den aufnehmenden Molkereien abgeschlossen werden.

Absicherung

Erhard Zimmermann

Der Vorstand der Bayern MeG will zudem das Thema „Milchgeldabsicherung im Insolvenzfall“ angehen. Bereits im Einsatz und von der Bayern MeG bezahlt, ist ein Insolvenzanwalt, der die MEG und die Milcherzeuger bei den Verfahren unterstützt.

Bei einem anderen Vorhaben ist die Bayern MeG vergangene Woche gescheitert. Die bayerischen Vermarkter hatten die wichtigsten Branchenvertreter nach Berlin eingeladen, um zu einer gemeinsamen Markteinschätzung zu kommen. Doch selbst das scheint mit der Molkereiseite nicht möglich zu sein (siehe Kasten). Mit dem Blick auf den aktuellen Milchmarkt sollte es derzeit keine großen Meinungsverschiedenheiten geben. Der leichte, allgemeine Aufwärtstrend dürfte sich nach Einschätzung des Marktexperten des Verbandes der Milcherzeuger Bayern, Jürgen Geyer, auch in den meisten Auszahlungspreisen in der zweiten Jahreshälfte widerspiegeln.

Neu im Vorstand der Bayern MeG ist seit vergangener Woche Erhard Zimmermann. Er übernimmt das Amt des 3. Vorsitzenden von Gerhard Metz, der sein Amt heuer niederlegte. Der 54-jährige Oberpfälzer ist verheiratet, hat drei Töchter und bewirtschaftet einen Milchviehbetrieb mit 160 Kühen.

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