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Molkerei Gropper

Milchmenge soll weiter wachsen

Gropper Vorstände
Michael Ammich
am
14.12.2016

Bissingen - Auf dem Vertretertag der Gropper-Milchlieferanten in Bissingen wurde klar: Die Molkerei strebt einen strammen Wachstumskurs an.

Vorwärts immer, rückwärts nimmer. Auf der Tagung der Lieferanten-Vertreter der Molkerei Gropper wurde das enorme Tempo deutlich, mit dem der Inhaber sein Unternehmen auf einem strammen Wachstumskurs steuert. In den vergangenen zehn Jahren hat die Molkerei rund 117 Mio. € investiert. Allerdings stößt der Standort Bissingen immer mehr an seine Grenzen, wie Heinrich Gropper den Vorständen der Milcherzeugergemeinschaften und Liefergruppen unmissverständlich klarmachte. „Wir suchen intensiv nach Möglichkeiten, mit anderen Produzenten zu kooperieren oder sie gleich ganz zu übernehmen.“

Mit Jahresumsatz von 460 Mio. € ein Großer

Wie an den versammelten 154 MEG- und 23 Liefergruppenvertretern zu erkennen war, erstreckt sich der Einzugsbereich der Molkerei Gropper inzwischen vom südlichen Oberbayern und östlichen Baden-Württemberg über Mittelfranken bis in die Oberpfalz. Mit einem Jahresumsatz von 460 Mio. € ist das Unternehmen zu einem der großen Player auf dem deutschen Milchmarkt geworden. Die Menge der in Bissingen verarbeiteten Milch stieg allein im letzten Jahr im konventionellen Bereich um 10 Mio. auf 250 Mio. kg und im Biobereich ebenfalls um 10 Mio. auf 60 Mio. kg. Für das kommende Jahr plant Gropper erneut mit einer Erhöhung der Milchmenge um je 10 Mio. kg in beiden Verarbeitungsbereichen. Seine Milch erhält das Unternehmen derzeit von 865 Lieferanten.
Neben Bissingen unterhält die Molkerei in Stockach einen zweiten Standort, an dem nicht milchhaltige Produkte wie Obstsäfte hergestellt werden. Hier belief sich das Produktionsvolumen heuer auf 158 Mio. kg.
Mit Blick auf die Milchkrise, die im letzten Sommer mit einem Preis von 19 ct in manchen Regionen ihren Tiefpunkt erreicht hatte, bat Gropper die Milcherzeuger, nicht nur die Preisentwicklung eines Jahres oder gar nur eines Monats zu betrachten. Über die letzten 18 Jahre hinweg habe sich nämlich der Milchpreis der Molkerei Gropper im Mittel bei 32,71 ct und in den vergangenen fünf Jahren sogar bei 35,98 ct bewegt. Im Preis-ranking belegte das Unternehmen damit den neunten Platz unter den bayerischen Molkereien. Mit einem durchschnittlichen Milchpreis von 31,97 ct im Jahr 2015 lag Gropper hier an siebter Stelle.
Für das kommende Jahr sah Gropper bei den Milchpreisen einen klaren Aufwärtstrend. „Diesen schnellen Wandel hätte ich niemals vorherzusagen gewagt.“ Für 2017 rechnet der Molkereichef vorsichtig mit einem durchschnittlichen Preis von 34 ct. Als Unsicherheitsfaktoren führte er die steigenden Kosten für Zusatzstoffe wie Kaffee oder Vanille an.
Bei allem Optimismus: „Die Bauern müssen sich darüber im Klaren sein, dass der Milchpreis irgendwann auch wieder einbrechen wird. Denken Sie daran, dass die Preise nicht der BDM oder die Molkerei Gropper machen, sondern der Markt.“ Dieser sieht aktuell recht gut für den Biobereich aus. Nach einem leichten Rückgang bezahlt die Bissinger Molkerei für die Biomilch jetzt wieder 50 ct. Im Durchschnitt der zurückliegenden fünf Jahre waren es 46,96 ct. Damit bezahlte Gropper für die Bio-milch mehr als jede andere Molkerei in Bayern. „Das kann aber schnell in eine andere Richtung gehen, wenn immer mehr Milchviehbetriebe auf Bio umstellen.“

Verhaltene Freude über Überraschungscoup

Für die Lieferantenvertreter hielt Heinrich Gropper eine „Überraschung“ bereit. Er bot ihnen bereits für November und Dezember einen Milchpreis von 32 ct an – allerdings unter der Voraussetzung, dass die Nachzahlung für das laufende Jahr schon mit dem Dezember-Milchgeld ausgezahlt wird, um das Jahr 2016 abzuschließen. Das hätte wiederum zur Folge, dass sich der durchschnittliche Jahresmilchpreis 2016 erhöhen würde. So rief der Überraschungscoup des Molkereichefs bei einem Teil der MEG- und Liefergruppenvorstände nur verhaltene Freude hervor. Sie fühlten sich überrumpelt und forderten erst einmal ausreichend Zeit zum Nachdenken ein.
Milcheinkäufer Reinhold Stangl konnte die Skepsis nicht ganz verstehen. „Dieses Angebot ist doch mehr als fair.“ Wenn die Nachzahlung schon mit dem Dezember-Milchgeld verrechnet werde, bringe das den Lieferanten auf die Schnelle ein Plus an Liquidität.
Wie Stangl erklärte, drängt die Molkerei Gropper sowohl bei ihren konventionellen als auch Öko-Lieferanten auf eine flächendeckende Umsetzung von QM-Milch. „Das verlangt der Handel.“ Inzwischen seien auch einige hartnäckige „QM-Verweigerer“ unter den Milcherzeugern zur rechten Einsicht gekommen. Ferner erinnerte Stangl die Lieferanten daran, dass die Rohmilch bei der Abholung auf ihren Höfen keinesfalls eine höhere Temperatur als 6 °C aufweisen dürfe. Aktuell würden bei der Molkerei Gropper täglich 800 000 kg Milch angeliefert. Davon entfallen 160 000 kg auf Bio-und 470 000 kg auf konventionelle Rohmilch. Bei weiteren 170 000 kg handelt es sich um gentechnikfreie Milch.

Das neue QM kann man gelassen angehen

Im ersten von drei Fachvorträgen befasste sich Anton Meßner, Geschäftsbereichsleiter Technik im Milchprüfring Bayern, mit der Milchgüteverordnung und dem Qualitätsmanagement (QM) Milch. Demzufolge ergaben sich für den Zeitraum von Januar bis Oktober 2016 folgende Güteergebnisse: 85,41 % der geprüften Milch entfielen auf die Güteklasse S, 98,48 % auf die Klasse I und 1,52 % auf die Klasse II. Abzüge gab es für 1,05 % der Milch. 0,09 % wurden aufgrund des Nachweises von Hemmstoff beanstandet und 0,64 % wegen erhöhter Zellzahl. In Schwaben wurde bei 0,12 % der Lieferbetriebe Hemmstoff in der Milch nachgewiesen, sagte Meßner.
Eigentlich sollte die neue Milchgüteverordnung bis Ende 2016 fertiggestellt werden. Es sei jedoch zu Konsensproblemen unter den Bundesländern gekommen und auch mit Rücksicht auf das Milchpreistief wurde die Verabschiedung der Verordnung hinausgezögert. Selbst auf Landesebene wie in Bayern seien sich die Milcherzeuger ebenso wie die genossenschaftlichen und privaten Molkereien nicht über die Ausgestaltung der Verordnung einig, stellte Meßner fest. In der überarbeiteten Verordnung sei „unter dem Strich“ eine Verschärfung der Hemmstoff-Vorgaben vorgesehen, außerdem die Pflicht zur täglichen Probenahme, um die Rückverfolgbarkeit der Milch zu gewährleisten. Allerdings würden in Bayern ohnehin bereits 95 % der Milch täglich beprobt.

Schmerzminderung bei der Kälberenthornung

Neue Standards gelten seit heuer auch für das Qualitätsmanagement Milch. So ist der Milchviehhalter zur täglichen Eigenkontrolle seines Betriebs in Sachen Tierwohl verpflichtet und die Kühe, ihre Liege- und Laufflächen müssen sich in einem möglichst sauberen Zustand befinden. Außerdem muss ein separater, leicht zu reinigender Bereich zur Abkalbung vorhanden sein.
Bei der Enthornung von Kälbern unter sechs Wochen sind schmerzmindernde Maßnahmen anzuwenden. Dazu gesellen sich weitere Vorschriften zur Kälberhaltung und zur Vermeidung von Krankheiten und Seuchen im Milchviehstall. Für den Fall eines Stromausfalls muss ein Notstromaggregat zur Verfügung stehen. Verschärfte Hygienevorschriften gelten für alle Oberflächen, Einrichtungen und Geräte, die mit der Milch in Berührung kommen. Der Anfahrtsweg für den Milchsammelwagen muss befestigt und sauber, sein Standplatz planbefestigt sein.
Insgesamt wurde das neue Qualitätsmanagement Milch von 55 auf 64 Standardkriterien erweitert und die maximale Punktzahl von 66 auf 75 Punkte angehoben. Erhöht hat sich auch die Mindestpunktzahl von 47 auf 54. Statt bisher 16 gibt es jetzt 17 K.o.-Kriterien für eine erfolgreiche Zertifizierung. Neu ist auch die Anforderung eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses für QM-Betriebe, die weniger als 58 Punkte erreichen. „Bislang läuft die Umsetzung des neuen QM problemlos“, sagte Meßner. Es gebe auch keine höhere Ablehnungsquote als zuvor, sodass sich diese bayernweit unverändert bei 5 % bewegt. Als Gründe für die Verweigerung einer QM-Zertifizierung nannte Meßner insbesondere Mängel bei der Arzneimitteldokumentation, fehlende Ohrmarken sowie fehlende Lieferscheine und Rechnungen für Futtermittel. Ein weiterer Ablehnungsgrund sei die mangelhafte Klauenpflege.
Wegen einer zu geringen Punktezahl fällt laut Meßner kaum ein Betrieb beim Audit durch. „Die meisten Kriterien sind ja ohnehin gesetzliche Anforderungen. Das neue QM kann also mit derselben Gelassenheit angegangen werden wie das bisherige QM.“

Milchförderfonds, eine Selbsthilfeeinrichtung

Nachdem sich viele Milcherzeuger fragen, wie der Bayerische Milchförderfonds die ihm zur Verfügung stehenden Mittel einsetzt, hatte die Molkerei Gropper zu diesem Thema als Referenten Dr. Hans-Jürgen Seufferlein eingeladen, den Geschäftsführer des Verbands der Milcherzeuger Bayern (VMB).
Als Zweck des Fonds nannte er die Förderung des Absatzes der bayerischen milchwirtschaftlichen Erzeugnisse sowie die Stabilisierung und Verbesserung des Milchgeldeinkommens der Erzeuger. „Beim Milchförderfonds handelt es sich um eine berufsständische Selbsthilfeeinrichtung“, betonte Seufferlein. Das wird schon an der Besetzung der Gremien deutlich. Als Vorsitzender steht der Vize- und Milchpräsident des BBV, Günther Felßner, an der Spitze des Fonds. Im Verwaltungsausschuss sitzen fünf Vertreter des Bayerischen Bauernverbandes und jeweils vier Vertreter des Genossenschaftsverbands und des Verbands der Bayerischen Privaten Milchwirtschaft.

535 000 € flossen in die Werbung

Aktuell verwendet der Milchförderfonds seine Mittel für die Förderung des VMB, die Stabilisierung des Buttermarkts, die Förderung des Exports von Milcherzeugnissen und für „Feuerwehrmaßnahmen“ wie die Abwehr der Folgen von Arbeitskampfmaßnahmen, erklärte Seufferlein. Darüber hinaus fließen Fondsgelder auch in den MKS-Hilfsfonds, es werden Gelder für Tbc-Fälle bereitgestellt und ein Förderbeitrag an den BBV für die Verwaltung des Milchförderfonds geleistet.
Im vergangenen Jahr nahm der Milchförderfonds 3 932 534 € an Beiträgen ein. Davon gingen 350 000 € an den VMB, 230 000 € als Förderungsbeitrag an den BBV und 535 000 € flossen in Werbemaßnahmen. Mit 50 000 € wurde der MKS-Hilfsfonds bedacht. 49 767 € wurden für Tbc-Fälle aufgewandt und weitere 61 087 € für Verwaltungskosten.
In einem weitere Referat sprach Prof. Dr. Rolf Mansfeld von der Klinik für Wiederkäuer an der LMU München über das optimierte Trockenstellmanagement als Herausforderung für die Landwirte und Tierärzte.

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