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Veranstaltung

Milchplattform e. V.: Günter Felßner zu Gast

Milchplattform
Lorenz Märtl
am
21.09.2017

Diepersdorf - Informationen zur Neuausrichtung der bayerischen Milchwirtschaft und ein Ausblick auf den Milchmarkt standen im Mittelpunkt der Mitgliederversammlung der Milchplattform e. V.

„Wichtige Themen, weil alles im Umbruch ist“, brachte es Vorsitzender Reinhard Endres auf den Punkt. „Erfreulich“ nannte er die Entwicklung auf dem Milchmarkt, auf die Jürgen Geyer vom Verband der Milch­erzeuger Bayern (VMB) ausführlich einging.
Seine Prognose zum Milchpreis: „Freundlich mit weiterem Aufwärtstrend“. Die Märkte hätten sich bei weiter verhaltener Milchanlieferung verbessert und der Welthandel bei tendenziell steigenden Preisen gefestigt. Gefragt sei vor allem Milchfett. Dies bedeute weiter steigende Preise für Butter und Käse.

Freie Märkte

Daran knüpfte BBV-Milchpräsident Günther Felßner an, der ein Umdenken fordert. Den „einen Milchpreis“ gebe es nicht. Der sei die Summe der Verwertung der einzelnen Milchbestandteile. Wenn man diese Einzelmärkte betrachte, sei man gut beraten, die Situation so anzunehmen wie sie ist. „Wir haben freie Märkte und diese einzelnen Verwertungen. Deswegen müssen wir uns als Milchbauern so organisieren, dass wir mit diesen Rahmenbedingen bestmöglich fertig werden.“
Wie das bisher war und wie es in Zukunft sein wird zeigte Felßner den Mitgliedern der Milchplattform auf. Nach Auflösung der Landesvereinigung der Bayerischen Milchwirtschaft, die es in der bisherigen Form nicht mehr gibt, installiert der BBV nun einen eigenen Milchausschuss und modifiziert den Aufgabenbereich des Verbandes der Milcherzeuger Bayern.
Felßner beleuchtete den bisherigen Zusammenhang zwischen Landesvereinigung, der Umlage und deren Funktionsweise. Dass es die Umlage künftig in der bisherigen Form nicht mehr geben wird, liege an dem von der EU angestrengten Hauptprüfverfahren. Es ging darum, ob die Erhebung der Umlage mit dem Wettbewerbsrecht zu vereinbaren ist. Aber nichts sei beanstandet worden.
Bei der Prüfung der Umlage habe sich aber gezeigt, dass das Bayerische Agrarwirtschaftsgesetz in gewissen Bereichen nicht ratifiziert war und Molkereien deswegen Gelder zurückzahlen mussten, was – wie Felßner es formulierte – die Stimmung zur Umlage unter den Molkereien beeinflusst habe, mit dem Ziel, einen eigenen privatwirtschaftlichen Verein zu gründen und mit einem freiwilligen Beitrag die Arbeit fortzusetzen. Bis zum Ende des Jahres müsse nun die bisherige Landesvereinigung abgewickelt sein, den bisherigen Mitarbeitern wurde gekündigt, ein Sozialplan ausgearbeitet. Es bestehe zwar die Willensbekundung der Molkereien, diese Kosten zu übernehmen, aber Felßner zeigte sich enttäuscht, dass der neue Verein seine Arbeit noch nicht aufgenommen habe. Niemand kenne bis jetzt die Schwerpunkte der Arbeit, man wisse aber, dass angesichts der angestrebten personellen Besetzung viele Arbeitsgebiete der bisherigen Landesvereinigung nicht mehr abgedeckt werden.
Ein weiterer Schwerpunkt seiner Ausführungen war der Milchförderfonds, den man maßgeblich umgekrempelt habe. Die Exportförderung der Molkereien habe man auf null gesetzt, stattdessen gebe es nur noch eine projektbezogene Förderung. Kein Geld gehe auch mehr an den BBV und in der neuen Zusammensetzung des Gremiums hätten nun die Milchbauern die Mehrheit.
Felßner bedauerte die Kündigung des Milchförderfonds vieler Bayern-MeG Mitglieder, die das eingesparte Geld in eine Ertragsschadensversicherung investierten. Das und vieles mehr habe der Fonds aber bisher schon geleistet. Derzeit arbeite man an einem neuen Versicherungsangebot. Ziel sei ein Fonds als Solidarinstrument,  der dem einzelnen Milchbauern deutlich mehr Nutzen bringt als in der Vergangenheit. Er hoffe, dass dann wieder alle mitmachen.
Wäre der Milchförderfonds nicht gewesen, würde es den Verband der Milcherzeuger Bayern (VMB), der daraus maßgeblich finanziert wird, nicht mehr geben. Es sei aber ein Unding, dass auch die MEG’s, die den Fonds gekündigt haben, trotzdem die Beratung in Anspruch nehmen, die von den anderen Milchbauern bezahlt wird.

Neue Rolle für VMB

Nach Wegfall der Landesvereinigung sieht Felßner den VMB in der Rolle einer Informationsplattform über die ganze Wertschöpfungskette einschließlich Beratung. Für die politische Arbeit sei der neue Milchausschuss des BBV zuständig. Und hier müsse auch die Milchplattform eingebunden sein. „Unser Job muss es sein, dass wir unsere Bauern in die bestmögliche Wissenssituation versetzen“, so Felßner und bezeichnete dafür die Milchplattform als die ideale Struktur. Die Plattform sei die einzige Einheit, bei der sowohl die MEG- als auch die Genossenschaftsverantwortlichen an einen Tisch sitzen und als Bauern über die Milchmärkte reden. Bisher habe es das nicht gegeben.
Was man nicht brauche, sei ein Wettbewerbsdenken zwischen Bayern MeG und Plattform, denn nur über die Plattform könne sich ein Mitglied der Bayern MeG mit den Genossenschaften austauschen. „Wenn wir an dieser Idee weiterarbeiten, dann bekommen wir eine gute Lösung für alle“, betonte Felßner. Sein abschließender Wunsch war, dass der neue Molkereiverein gute Ideen bringt, in der Wirkung auf keinen Fall schlechter ist und auch dauerhaft finanziert ist, um erfolgreich zu arbeiten.

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