Login
Bauernverbandsforderung

Milchpreise müssen deutlich steigen

pd
am
04.11.2016

München - Die Verbraucherpreise steigen um mehr als 40 Prozent. Der Bayerische Bauernverband will nun wissen: Wer sahnt ab?

Erzeugerpreis Milch

Milch und Milchprodukte werden deutlich teurer. Den Anfang machte gestern Aldi: Der Discounter hob die Preise für Frischmilch um mehr als 40 Prozent an. Zu erwarten ist, dass nun auch die anderen großen Supermarktketten nachziehen. Können sich die Milchbauern nun endlich auf steigende und auskömmliche Preise freuen?

Die Kontraktverhandlungen zwischen Molkereien und Lebensmittelhandel für die Produkte der „weißen Linie“ wurden in den vergangenen Wochen abgeschlossen. Nach Informationen von Branchenkennern haben die Molkereien für Trinkmilch Preisverbesserungen von 13 bis 15 Cent erreicht. 

Ein Blick ins Warenregal beim Discounter: Wer aktuell bei Aldi einen Liter Vollmilch kauft, zahlt 65 Cent und damit 19 Cent mehr als noch vergangene Woche. Bleibt die Frage: Wer sahnt ab? Für den Geschäftsführer des Verbands Bayerischer Milcherzeuger, Dr. Hans-Jürgen Seufferlein, steht fest, dass angesichts dieses kräftigen Preisanstiegs auch die Erlöse für die Bauern deutlich ansteigen müssen. Klar sei auch: Mit dieser Erhöhung der Marge um etwa 4 Cent demonstriert Aldi erneut seine Marktmacht.

Die Milcherzeuger in Bayern könnten unterschiedlich schnell an den positiven Preisentwicklungen partizipieren. Dies hängt ab von der Laufzeit der Kontrakte zwischen Milchbauern und Molkereien und auch der Verwertung der Milch in den einzelnen Molkereien. Die gut 32 Mrd. kg Rohmilch in Deutschland und die knapp 8 Mrd. kg Rohmilch in Bayern werden nicht ausschließlich zu Trinkmilch oder Produkten der „weißen Linie“ verarbeitet, sondern nur ein relativ geringer Teil davon. Denn Bayern ist Käseland: Die Hälfte der hier produzierten Milch wird zu Käse verarbeitet. Der Anteil der Konsummilch liegt bei rund 15 Prozent und auch davon landet nicht die komplette Menge in den Geschäften des Lebensmitteleinzelhandels, sondern teilweise auch bei Großverbrauchern.

Daher profitieren von der ab November 2016 wirksamen Preiserhöhung erst einmal ein Teil der bayerischen Milchbauern nicht unmittelbar. „Es wird auch am Verhandlungsgeschick der Milcherzeugergemeinschaften liegen, wie schnell die Milchpreise ansteigen. Wir rechnen im Durchschnitt bis Ende des Jahres 2016 mit mindestens 30 Cent/kg netto, aufgrund der Verwertungsmöglichkeiten im ersten Quartal 2017 deutlich darüber hinaus“, sagt Hans-Jürgen Seufferlein.

Ungeachtet der jetzigen Preiserhöhung im Handel sind die vom Bundeskabinett gestern beschlossenen Hilfsmaßnahmen notwendig. So kann beispielsweise im steuerlichen Bereich die Möglichkeit der Gewinnglättung über drei Jahre den Betrieben helfen, bei zukünftigen, volatilen Preisbewegungen am Markt ihre Liquidität zu sichern.

Auch interessant