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Milchmarkt

Miteinander statt verdrängen

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Rainer Königer, Wochenblatt
am
02.03.2017

München - Jetzt machen wir weiter wie immer, am Markt läuft es doch wieder einigermaßen: Dieser Leitsatz scheint gerade für den Milchmarkt zu gelten.

Die jetzt überstandene Krise ist nicht die erste, mit oder ohne Quotenregelung. Ohne Quote scheint das System allerdings noch unkontrollierbarer zu sein, weil jeder machen darf, was er will. Das bringt auf der einen Seite Freiheit und weckt den Unternehmergeist. Auf der anderen Seite, muss man mit dieser Freiheit aber auch umgehen können.

„Ich dränge meinen Konkurrenten aus dem Markt, weil ich billiger produzieren kann“: Dieser Leitsatz gilt für Großkonzerne und (hoffentlich) nicht für die Milchviehhalter. Für Milchviehhalter darf dieser Leitsatz um Himmels Willen nicht gelten. Ein vernünftiger Milchpreis hilft schließlich allen.

Um einen vernünftigen Milchpreis zu erzielen, muss man sich auch über Milchmengen unterhalten. Wie viel Milch braucht meine Molkerei? Wann braucht sie mehr Milch, wann weniger? Um das herauszufinden, muss man sich zusammensetzen, um zu sehen, wie weit das von den Lieferanten umgesetzt werden kann. Offenheit ist gefragt, auch von den Molkereien. Der Eindruck, dass die Molkereien bisher zu feige waren, das Thema anzugehen, ist sicher nicht falsch. Für eine Molkereiquote wollte sich niemand verprügeln lassen, stattdessen setzte und setzt man ganze Liefergruppen vor die Tür, wenn die Milch – aus welchen Gründen auch immer – nicht mehr zufriedenstellend abgesetzt werden kann.

Ein einfaches Miteinander sollte es eigentlich bei den Genossenschaften geben. Die Landwirte sind hier schließlich Lieferant und Molkereibesitzer in einem. Ob dieses Modell gerade bei den Genossenschaftsriesen in Europa richtig umgesetzt wird, darf bezweifelt werden. Verdrängungswettbewerb auf Basis schlechter Preise ist keine gute Idee.

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