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Milchvermarktung

Niedersachsen bringt Weidemilchlabel auf den Markt

Pro Wiedeland
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Ulrich Graf, Wochenblatt
am
25.04.2017

Wesermarsch - An das Label sind eine Reihe von Kriterien geknüpft. Für die Bauern soll es 5 Cent pro Liter Milch mehr geben - wann das der Fall ist, bleibt aber etwas wage.

Anlässlich des ersten Weideaustriebs 2017 auf dem Hof Hanken in der Wesermarsch hat am Sonntag, dem 23. April , ein breites Bündnis verschiedener Organisationen das neue Gütesiegel „Pro Weideland – Deutsche Weidecharta“ vorgestellt. Landwirtschaftsminister Christian Meyer hat das Label enthüllt und gab den Startschuss für die Vermarktung .

In Zusammenarbeit mit Landwirtschafts - , Umwelt - und Tierschutzverbänden , Wissenschaft und Politik wurden in den letzten drei Jahren Kriterien für Weidemilch - und Weidemilchprodukte erarbeitet . Das Label kennzeichnet Milch sowie Milchprodukte, die durch Weidehaltung produziert werden und soll dazu beitragen, die Weidehaltung zu erhalten. Seit gestern, dem 24. April, ist das Label erstmals auf Milchprodukten im Handel zu erwerben.

Träger des Labels ist das Grünlandzentrum Niedersachsen/Bremen e.V. Das Grünlandzentrum wurde dazu mit Projektmitteln des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gefördert.

Mindestens 120 Tage auf der Weide

Das Pro Weidemilch-Label steht für folgende Kriterien:

  • Die Milchkuh steht mindestens 120 Tage für 6 Stunden pro Tag auf der Weide • Pro Milchkuh müssen insgesamt 2000 m 2 Grünland vorhanden sein. 1000 m 2 Grünland steht jeder Milchkuh in Hofnähe für die Beweidung zur Verfügung
  • Eine ganzjährige Bewegungsfreiheit i st zu gewährleisten
  • Die vorzuhaltende Fläche ist als Dauergrünland definiert
  • Die Fütterung ist gentechnikfrei

Darüber hinaus müssen sich teilnehmende Molkereien verpflichten, die Milch getrennt zu sammeln und zu verarbeiten.

Als erste Molkerei wird die Molkerei Ammerland einen Teil ihrer Milch als Weidemilch unter dem neuen Label pro Weideland auf den Markt bringen . „Mit dem neuen Label erhoffen wir uns, dass wir noch klarer verdeutlichen können, wie wir den gesellschaftlichen Erwartungen mit unseren Produkten entsprechen“ sagt Ralf Hinrichs, Geschäftsführer der Molkerei Ammerland. Unter der Hausmarke „Ammerländer Unsere Weidemilch“ und der Weidemilch von Lidl „Milbona“ wird die Milch ab jetzt zu kaufen sein.

Norddeutsche Wurzeln, aber prinzipiell für alle Molkereien offen

„Neben der Molkerei Ammerland sind noch weitere Molkereien aus Niedersachsen und Schleswig-Holstein an dem Label interessiert. Darüber hinaus haben sich neben Lidl auch schon weitere große Einzelhändler interessiert gezeigt, unser Label auch noch in diesem Jahr verwenden zu wollen“ betonte Dr. Arno Krause, Geschäftsführer des Grünlandzentrums Niedersachsen/Bremen.

Die Nutzung des Labels steht allen interessierten Molkereien zur Verfügung. Zur längerfristigen Etablierung des Labels und insbesondere zur Lizenzvergabe und Organisation entsprechender externer und unabhängiger Kontrollen hat das Grünlandzentrum eine dezidierte Gesellschaft, die „Pro Weideland - Deutsche Weidecharta“ gegründet.

Ein Beirat, der sich aus Vertretern der beteiligten Interessensvertretern zusammensetzt, soll die Werthaltigkeit des Labels langfristig sicherstellen. „Entsprechende Lizenzen können von allen Molkereien erworben werden, deren Produzenten zu den geforderten Bedingungen produzieren können“ sagt Dr. Karsten Padeken, Vorstandsvorsitzender des Grünlandzentrums.

Wirtschaftlichkeit für Landwirte ermöglichen

Zu den Kriterien, die hinter dem Label stehen, gehört auch, dass die Landwirte die Weidemilch produzieren, in der Zukunft 5 Cent pro Liter Milch zusätzlich erhalten sollen. "Das Grünlandzentrum hat zusammen mit den Bündnispartnern die dazu notwendige Infrastruktur durch die Vermarktung von Weidemilch geschaffen. Nun liegt es an den Konsumente innen und Konsumenten, durch ihre Entscheidung für das Label zum Erhalt der Weidewirtschaft beizutragen“, verdeutlichte Dr. Padeken.

Breites Bündnis steht hinter dem Label

20 Organisationen aus Landwirtschaft, Wirtschaft, Umwelt- , Natur- , Verbraucher- und Tierschutz haben an der Zielsetzung der Weidecharta Norddeutschland gearbeitet. Diese Organisationen haben im Oktober 2015 eine gemeinsame Charta gezeichnet, die die Grundlagen des Labels festlegt. Zu diesen Organisationen, die die Charta gezeichnet haben, gehören neben dem Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) und der Bund für Umwelt und Naturschutz e.V. (BUND) auch die Welttierschutzgesellschaft e.V. sowie Molkereien und Vertreter aus Wissenschaft und Politik. Aus landwirtschaftlicher Sicht sind unter anderem das Landvolk Niedersachsen und der BDM beteiligt.

„Wir freuen uns, dass die Zahl der Organisationen, die die Charta unterschrieben haben, stetig wächst – mit fünf weiteren Zeichnern sind es jetzt 25 namhafte Organisationen – dazu zählt auch das Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume Schleswig-Holstein“, betont Dr. Krause.

Das Grünlandzentrum hat die Produktionskriterien, die hinter dem Label stehen sowie weitere erläuternde Informationen im Internet unter www.proweideland.de veröffentlicht.

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