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Milchmarkt

Preise ziehen etwas an

aiz
am
05.08.2016

Auckland/Berlin - Am internationalen Milchmarkt werden derzeit positive Tendenzen bei den Notierungen registriert.

Bei der jüngsten Auktion der neuseeländischen Handelsplattform GlobalDairyTrade (GDT), die am 2. August stattfand, konnte der Gesamtindex, in dem eine Bandbreite von verschiedenen Molkereiprodukten und Kontrakt-Zeiträumen zusammengefasst ist, gegenüber dem vorhergehenden Event um 6,6% zulegen. Das war der stärkste Anstieg in diesem Jahr. Mit Ausnahme von Cheddar-Käse wurden höhere Preise für alle anderen gehandelten Produkte verzeichnet. Der Kieler Rohstoff wert Milch - ebenfalls ein wichtiger Indikator für den Milchmarkt - stieg im Juli 2016 um 3 Cent. Ob diese Preiserholung nachhaltig ist, bleibt laut Experten abzuwarten.

Im Detail erhöhte sich bei der jüngsten GDT-Auktion die Notierung für Butteröl (AMF) gegenüber dem vorherigen Event (19. Juli) um 4,7%. Bei Butter wurde ein Plus von 6,6% verzeichnet, bei Buttermilchpulver ein Anstieg von 7,7%. Der Index für Lactose stieg um 3,7% und jener für Labkasein legte sogar um 16,3% zu. Positiv entwickelten sich auch die Notierungen im Pulverbereich: Das wichtigste Produkt bei dieser Auktion, Vollmilchpulver, verzeichnete einen Anstieg um 9,9%, während die Preise von Magermilchpulver im Mittel um 2,1% zulegten. Nur bei Cheddar-Käse tendierten die Notierungen leicht nach unten (-0,8%). In Summe wurden bei dieser Auktion Milchprodukte im Umfang von 34.928 t gehandelt. Die Anzahl der teilnehmenden Bieter stieg auf 180.

Anzeichen für Drosselung des globalen Angebots

Internationale Fachleute sehen im jüngsten Auktionsergebnis ein positives Signal für die weitere Entwicklung am globalen Milchmarkt, wollen es aber auch nicht überbewerten: So zeigt sich Andrew Hoggard, Vorsitzender des Milchausschusses der neuseeländischen Farmer-Organisation, grundsätzlich erfreut über die aktuellen Preisanstiege. Es sei aber noch zu früh, um von diesem Event Schlussfolgerungen für die kommenden Monate zu ziehen, betont er. Es wären nämlich "noch einige Herausforderungen am Weltmarkt zu bewältigen", so Hoggard. In Neuseeland gehen die Experten davon aus, dass die Rohmilchanlieferung in dieser Saison um 3% abnimmt.

Anne Boniface, Analystin der Westpac Institutional Bank, bemerkt, dass sich die Anzeichen für eine Drosselung des globalen Milchangebots verstärken. Susan Kilsby, Milchexpertin des neuseeländischen Marktbeobachters Agri HQ, stellt ebenfalls fest, dass der in den vergangenen Monaten registrierte Zuwachs bei den Anlieferungen mittlerweile geringer ausfällt. Sogar in der EU, wo die Menge von Januar bis April 2016 noch um 5,6% über dem Vorjahresniveau lag, orte man jetzt Bremsbewegungen, so Kilsby. In den USA sei die Produktion von Januar bis Juni 2016 um 1,6% gesteigert worden, dieser Zuwachs werde aber vor allem am amerikanischen Markt abgesetzt.

Auch Doug Steel, Agrarökonom der Bank of New Zealand, geht laut "Dow Jones News" von einer Reduzierung des weltweiten Angebots aus. Die Tatsache, dass die Preise jetzt gestiegen sind, könnte nun diejenigen Kunden zum Kauf animieren, die zuvor aufgrund mangelnder bullisher Impulse noch abgewartet haben, meint er. Man müsse sich jedoch darüber im Klaren sein, dass das Gesamtbild vorerst noch bearish bleibe. Am globalen Milchmarkt seien die Lagerbestände weiterhin hoch und der Rohstoffmarkt kämpfe zudem mit niedrigen Öl- und Getreidepreisen, so der Experte.

Steigender Butterpreis treibt Rohstoffwert Milch

Der Kieler Rohstoffwert Milch ist im Juli 2016 um 3 Cent auf 25,1 Cent/kg gestiegen. Das entspricht einem Plus von 13,6%, teilt das Institut für Ernährungswirtschaft (ife) mit. Seit dem Tiefststand im März bei 19,8 Cent ist das der vierte Anstieg in Folge.

Ausschlaggebend für den erneuten Anstieg des ife-Rohstoffwerts war insbesondere die deutliche Erhöhung der Butterpreise. Diese legten gegenüber dem Vormonat Juni um gut 20% auf 312,80 Euro/100 kg zu. Bei Magermilchpulver fiel der Zuwachs der Notierung geringer aus - hier wurde ein Plus von 3% auf 170,10 Euro/100 kg festgestellt. Beide Preise lagen auch über dem Vorjahresniveau.

Der Kieler Rohstoffwert Milch ist bekanntlich ein wichtiger Indikator für die Preisentwicklung bei Molkereiprodukten in Deutschland und Europa. Er gilt für Standardmilch mit 4% Fett und 3,4% Eiweiß, ab Hof und ohne Mehrwertsteuer. Der Rohstoffwert gibt nicht den Auszahlungspreis einer bestimmten Molkerei an. Er zeigt stets die Richtung, aber nicht unbedingt die Höhe der gesamten Preisentwicklung am deutschen Milchmarkt an.

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