Login
Milchpreis

Preisverhandlungen - ein verheerendes Signal für Milchbauern

Discounter
Thumbnail
Ulrich Graf, Wochenblatt
am
04.05.2018

Zwischen den Molkereien und dem Lebensmitteleinzelhandel sind in den vergangenen Wochen die Produkte der so genannten "weiße Linie" (Eigenmarken des Lebensmitteleinzelhandels) verhandelt worden.

Der Verband der Milcherzeuger Bayern (VMB) bezeichnete das Ergebnis als katastrophal. So sank der Abgabepreis für einen Liter Vollmilch (3,5 Prozent Fett) in den Varianten H-Milch, ESL-Milch und Frischmilch von bisher 78 Cent um ganze 9 Cent auf nunmehr nur noch 69 Cent. Auch bei der fettarmen Milch (1,5 Prozent Fett) gab es eine Absenkung und zwar von bisher 68 Cent um "nur" 7 Cent auf nunmehr 61 Cent.

Mit dieser Differenzierung wird nach Ansicht des VMB der aktuellen Marktentwicklung im Fettbereich in keinster Weise Rechnung getragen: Die Milch mit dem wertvollen Fett wird stärker reduziert als die fettarme Milch mit einem höheren Anteil an Wasser. Die über Jahre zu beobachtende Tendenz, dass zwischen der Vollmilch und der fettarmen Milch nur eine Differenz von 5 Cent/Liter gelegen hat, wurde beim letzten Kontrakt völlig marktkonform auf 10 Cent/Liter vergrößert - und jetzt wieder auf 8 Cent zusammengestaucht.

Unter die Produkte der "weißen Linie" fallen vor allem das große Angebot der Konsummilchen, Quark/Topfen, Sahne, Kondensmilch, Kaffeesahne und weitere sahnehaltigen Milchprodukte. Die Laufzeit der Kontrakte geht bis Ende Oktober 2018.

Verheerendes Signal für die Bauernfamilien

Die Kreisbäuerinnen und Kreisobmänner des Bayerischen Bauernverbandes erklärten auf ihrer Sitzung am Donnerstag in Herrsching, dass die Preissenkungen ein verheerendes Signal für die Milchbauern seien. Auf der einen Seite würden die Anforderungen an die Milchviehhalter permanent steigen, zum Beispiel beim Tierwohl, auf der anderen Seite würden die Verkaufspreise überdimensional sinken. Das passe nicht zusammen und zerstöre die regionale Landwirtschaft. Der Lebensmitteleinzelhandel spiele seine Marktmacht auf Kosten der Betriebe aus, denn die massive Preissenkung sei mit dem Marktgeschehen nicht erklärbar!“

Des Bundesverband Deutscher Milchviehhalter verlangte, dass die aktuellen Preissenkungen nicht zu weiteren Absenkungen des Erzeugerpreises führen dürften – insbesondere, da gleichzeitig Preissteigerungen bei Butter um 20 Cent für das 250g-Stück (+12,6 %) realisiert werden konnten. Ihr Vorsitzender Stefan Mann erklärte, dass die Trinkmilchabschlüsse als ein wichtiger Gradmesser der Milchmarktentwicklung und daher als deutliche Warnung verstanden werden müsse. Die aktuell steigenden Milchanlieferungen würden für Marktdruck sorgen, der dazu führe, dass sich die Molkereien im Wettbewerb um Regalplätze im Handel gegenseitig unterböten. Die Zeche zahle dann üblicherweise der Milchviehhalter.

Auch interessant