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Marktwirtschaft

Schöpferische Zerstörung

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Hans Dreier, Wochenblatt
am
16.02.2017

München - Die Abläufe in einer Marktwirtschaft unterliegen einem ständigen Anpassungsdruck, der immer wieder Neues hervorbringt.

Der berühmte Ökonom Joseph Schumpeter beschrieb dieses Phänomen im Jahr 1942 erstmals mit dem treffenden Begriff der „schöpferischen Zerstörung“, die so Schumpeter, „unaufhörlich die Wirtschaftsstruktur von innen heraus revolutioniert, unaufhörlich die alte Struktur zerstört und unaufhörlich eine neue schafft“.

Im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) geht derzeit das Gespenst um, dass die Branche gerade von einem solch umwälzenden Prozess überrollt wird, der ihre bisherigen Geschäftsmodelle überflüssig machen könnte. Die Gefahr kommt vom Onlinehandel. Werden die Kunden schon bald die Supermärkte meiden und auch ihre Lebensmittel per Internet einkaufen und ins Haus liefern lassen? E-Commerce-Experten gehen davon aus, dass die derzeit noch bestehenden Hemmnisse, die Kunden vom Interneteinkauf noch abhalten, bald beseitigt sein werden.

Viele Landwirte würden dem Untergang der LEH-Giganten keine Träne nachweinen, denn das Oligopol aus einer Handvoll LEH-Konzernen hat mit brutalen Einkaufsmethoden die Lebensmittelpreise immer weiter nach unten getrieben. Der Online-Handel könnte hier die Kräfteverhältnisse neu ordnen. Viele Vermarktungsorganisationen aus dem Agrarbereich beobachten diese Entwicklung deshalb durchaus mit Zuversicht. In Zukunft könnten sich neue Chancen für Genossenschaften und Direktvermarkter auftun.

Noch stemmen sich jedoch die Dinosaurier des LEH mit aller Kraft gegen den Untergang. Um die Kunden weiter in die Läden zu locken, setzen die Einzelhändler vor allem auf ein Zugpferd: Frische. Knackiges Obst und Gemüse, in einem Lichtermeer inszeniert, soll die Rettung bringen. Mal sehen, wie lange das noch gelingt.

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