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Milchmarkt

Es wäre noch mehr drin

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Rainer Königer, Wochenblatt
am
24.11.2016

München - Der Milchmarkt hat sich erholt und die Erzeugerpreise steigen wieder.

Dabei könnte das Plus auf der Milchgeldabrechnung höher ausfallen, wäre da nicht der Lebensmitteleinzelhandel (LEH). Ohne rot zu werden, darf man sicher behaupten: Der LEH drückt die Preise, wo es geht und vor allem so lange es geht. Ein Beispiel dafür ist der Buttermarkt. Während Blockbutter für die Industrie immer teurer wurde, war der Preis für die abgepackte Butter (250 g) noch einige Zeit durch die Kontrakte eingefroren. Die Differenz betrug zwischenzeitlich 1 €/kg Butter, bis der LEH endlich nachzog und den gleichen Preis bezahlte wie für Blockbutter. Und so lange die Molkereien ihre Butter an den LEH billig abgeben müssen, kann vereinfacht gesagt auch der Erzeugerpreis nicht steigen. Die Molkereien sind dem LEH fast ohnmächtig ausgeliefert. Wenn Molkereien in Kontrakte gezwungen werden, die der LEH bewusst in schlechten Marktphasen auf den Tisch legt, ist das letztlich auch Bauerngeld, das verloren geht.

Doch warum wehren sich die Molkereien nicht gegen solche Knebelverträge? Die Antwort ist einfach: „Wer nicht mitzieht, fliegt raus und wird nicht mehr gelistet.“ Außer aus kartellrechtlicher Sicht ist dem LEH kaum beizukommen. Auf der anderen Seite: Wären sich Molkereien einig und würden sich auf Mindestpreise verständigen, unter denen keine Molkerei mehr verkauft, stünde schnell dasselbe Kartellamt vor der Tür und würde wegen illegaler Preisabsprachen ermitteln.

Die grauen Eminenzen da oben sind nicht zu fassen. Dabei erinnern die Verträge schon eher an das IOC oder die FIFA. Unter „marktkonformer Lieferung“, die in vielen Verträgen verankert ist, versteht der LEH nur eines: Wenn im nächsten Monat höhere Preise gelten, rufe ich bei den Molkereien noch schnell mehr zum billigen Preis ab. Ist das in Ordnung?

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