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AMI-Milchpreis-Vergleich

Milchpreis - die Bayern sind top

Dr. Kerstin Keunecke, ami
am
24.07.2019

Bonn - Im bundesweiten Vergleich landet Bayern bei der gentechnikfreien Milch im Jahr 2018 mit 36,84 Ct/kg auf Platz eins.

Milchkanne

Danach folgt Baden-Württemberg mit 36,76 Ct/kg. Den Bronzeplatz erobern die Milcherzeuger aus Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. In allen drei Ländern fällt 2018 der Rückgang gegenüber dem Vorjahr vergleichsweise moderat aus.

Das Ländle trotz mit einem leichten Plus sogar dem bundesweit rückläufigen Trend. Auch die Molkereien im Allgäu zahlen im Schnitt etwas mehr Milchgeld als im Vorjahr. In Nord- und Südbayern müssen die Milcherzeuger hingegen Einbußen hinnehmen.

Deutlich stärkere Abschläge verzeichnen jedoch die Milchviehbetriebe im Norden und Osten der Republik. Die dort ansässigen Molkereien haben ihre Auszahlungsleistung überdurchschnittlich zurückgenommen. Die hohe Bedeutung von Pulver, Butter und Versandmilch im norddeutschen Portfolio belastet die Preise in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Im Schnitt der drei Küstenanrainer sinken diese um 2,41 Ct auf 34,81 Ct/kg. 

Auch den ostdeutschen Unternehmen spielte der Marktverlauf nicht in die Karten. Hier fiel der Rückgang mit einem Minus von 2,58 Ct noch etwas stärker aus. Die Milcherzeuger in den vier östlichen Bundesländern erhielten im Schnitt 34,04 Ct/kg und lagen damit am Tabellenende.

Auszahlungspreise in den Bundesländer

Mehr Milch aus gentechnikfreier als aus konventioneller Fütterung

Erstmals in der Geschichte gab es in Deutschland mehr Milch aus gentechnikfreier als aus konventioneller Fütterung. Das war im vergangenen Jahr mit einem Anteil von 70 % auch in Bayern der Fall. Damit ist Milch ohne Gentechnik auch im AMI-Milchpreisvergleich führend.

Im Jahr 2018 sind die Auszahlungspreise für gentechnikfrei erzeugte Milch deutschlandweit zurückgegangen. Das Bundesmittel sank um 1,42 Ct auf 35,67 Ct/kg. In Bayern hingegen fiel der Rückgang schwächer aus. Der AMI-Vergleichspreis für den Freistaat reduzierte sich um 0,58 Ct auf 36,84 Ct/kg. Alle im folgenden genannten Preise beziehen sich, soweit nicht anders vermerkt, auf gentechnikfreie Milch und gelten für eine Milch mit 4,2 % Fett und 3,4 % Eiweiß bei einer Jahresanlieferung von 500 t. Zuschläge für Nachhaltigkeit wurden anteilig in den Preisen berücksichtigt.

0,96 Ct/kg mehr für gentechnikfrei

In Bayern wurden 2018 rund 23 % der Milch konventionell erzeugt. Dabei waren im Süden des Freistaates noch die meisten Molkereien vertreten, die diese Milchart ganzjährig erfasst haben. Unterjährig waren es mehr, aber für einen Jahresschnitt bedarf es zwölf Monatspreisen. Liegen nur Milchgeldabrechnungen für ein halbes Jahr vor, lassen sich die Preise nicht mehr vergleichen.

In Bayern wurden im Schnitt 35,88 Ct/kg für Milch aus konventioneller Fütterung gezahlt. Das waren 0,96 Ct weniger als für den gentechnikfrei erzeugten Rohstoff. Dabei spielt nicht nur die Höhe des Zuschlages für Milch ohne Gentechnik eine Rolle, sondern auch, welche Molkerei mit welcher Menge und welchem Preisniveau in das jeweilige Mittel einfließt. Auf den Milchgeldabrechnungen selbst findet sich am häufigsten ein Zuschlag von 1,0 Ct. Der Mischpreis aus beiden Milcharten lag in Bayern 2018 bei 36,62 Ct/kg. Darin machte die Milch ohne Gentechnik im vergangenen Jahr 0,74 Ct/kg aus.

Zuschläge für bestimmte Milcharten

In keiner anderen Region Deutschlands gibt es so viele Milcharten wie im Süden. Neben Zuschlägen für Gentechnikfreiheit gibt es Zuschläge für Bergbauernmilch, Emmentaler- und/oder Heumilch. Die Sache mit der Bergbauernmilch liegt an der Nähe zu den Alpen und ist nicht neu. Milchgeldabrechnungen mit Zuschlägen dafür lagen uns für die Allgäu Milch Käse eG, Arla Foods Deutschland GmbH in Sonthofen und den Milchwerken Berchtesgadener Land Chiemgau eG vor.

Die Preise bewegten sich zwischen 38,56 und 38,88 Ct/kg. Allerdings dürfen die Kühe in den Bergen nur gentechnikfrei gefüttert werden. Die Arla Foods Deutschland GmbH in Sonthofen zahlt für Heumilch nochmals 2,5 Ct obendrauf. Das Unternehmen ist mittlerweile verkauft und firmiert nun unter dem Namen Milchwerke Bad Wörishofen GmbH. Auch die Allgäu Milch Käse eG zahlte einen Zuschlag für Heumilch, die muss aber ökologisch erzeugt sein – dafür gab es satte 52,94 Ct/kg.

Die Differenzierung der Milch wird weiter voranschreiten und für Molkereien und Milchbauern in den kommenden Jahren gleichermaßen ein Thema sein. Die Umstellung auf Gentechnikfreiheit ist, zumindest im Süden, mehr oder weniger vollzogen. Nun rücken Nachhaltigkeit, Tierwohl und Haltungsform in den Vordergrund. Die Anfänge sind gemacht und die AMI wird diesen Prozess begleiten.

So rechnet die AMI

Alle Preisangaben beim AMI-Milchpreisvergleich beziehen sich, soweit nicht anders vermerkt, auf gentechnikfrei erzeugte Milch mit 4,2 Prozent Fett und 3,4 Prozent Eiweiß sowie eine Jahresanlieferung von 500 t. Die AMI-Experten unterscheiden konventionell, gentechnikfrei und ökologisch erzeugte Milch. Gleiches gilt auch für Heumilch oder Bergbauernmilch. In den Preisen für die Spezialmilchen sind die dafür gezahlten Zuschläge in voller Höhe enthalten, in denen für konventionelle Milch dagegen nicht.

Anders verhält es sich mit Zuschlägen für Nachhaltigkeit wie Tierwohl, Haltungsform und Weidegang. Diese sind, soweit nicht anders vermerkt, anteilig in den Preisen enthalten. Das ist wichtig bei der Beurteilung. Je höher der Anteil der Milch, für den ein Tierwohlzuschlag gezahlt wird, desto mehr wird dieser berücksichtigt.

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