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Kommentar

Neue Töne

Mischfutter in Säcken auf Paletten
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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
19.10.2017

München - Der Deutsche Verband Tiernahrung thematisiert Nachhaltigkeitsprobleme bei der Mischfutterproduktion. Ein Kommentar von Wolfgang Piller.

Wolfgang Piller

Sind da seitens der Futtermischer neue Töne zu hören? Bislang kamen schon fast reflexartig die Hinweise auf den dringenden Bedarf an Sojaimporten (der zugegeben mit Sicherheit vorhanden ist), wenn etwa die Politik auf die heimische Eiweißversorgung hinwies. Soziale oder ökologische Probleme im Sojaanbau in Brasilien und Argentinien? Kein vordringliches (wenn auch kein gänzlich unbearbeitetes) Thema bei den Mischfutteranbietern. Jetzt aber stellte der Wirtschaftsverband der Tiernahrungsbranche das Thema Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt seiner Jahrestagung in Berlin. Mittendrin eine Initiative des europäischen Dachverbands und kritische Worte seitens des WWF.

Vor allem der internationale Zugang zu diesem Thema ist bemerkenswert. Denn eines ist klar: Jedes Produkt wird einerseits teurer, wenn Nachhaltigkeits-/Umweltschutzziele beachtet werden müssen (und das müssen sie bestimmt). Doch andererseits wäre teuer an sich kein Problem, wenn das gleichermaßen für alle Abnehmer in einem Markt gilt. Dann wirkt eine solche Verteuerung nicht marktbeeinflussend. Und mit Sicherheit hätte unter solchen Voraussetzungen niemand etwas gegen Maßnahmen, die die Umwelt schützen und die eigene Produktion nachhaltig machen.

Hier sind wir mittendrin im Problem Welthandel. Je komplexer Warenströme werden, umso weniger lassen sich Regelungen ohne Marktverzerrung durchsetzen. Denn es ist ja nicht der liberale Weltmarkt an sich so kaltherzig, wie er fast sprichwörtlich dargestellt wird, das sind schon die Marktteilnehmer. Jeder, der einen Vorteil sieht, ist bestrebt, ihn zum eigenen Wohl auszunutzen. Wer vorprescht und Kostennachteile in Kauf nimmt, spielt mit seinem Erfolg. Deshalb ist es erstrebenswert, möglichst viele Solisten zu sammeln und neue Töne gemeinsam anzuschlagen, selbst wenn dieser Chor vielleicht etwas länger zu seiner Uraufführung braucht.

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