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Niederschreien

Hysterie
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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
25.04.2019

Hysterie schafft keine Grundlage, um Kompromisse zu finden und Lösungen.

Wolfgang Piller

Der Chefredakteur des Münchner Merkur hat an diesem Mittwoch einen bemerkenswerten Kommentar veröffentlicht. Wenn der Einsatz für eine gute Sache zur quasi heiligen Pflicht erklärt würde, so heißt es darin, wenn mahnende Stimmer nicht mehr gehört würden und die Mehrheiten ängstlich verstummten, dann sei Gefahr im Verzug.

Er spricht von einer selbsternannten Avantgarde, die nicht nur ganze Industrien, sondern generell Andersdenkende ins Abseits drängen, von einer gut betuchten, grün und urban denkenden Elite in den Städten. Zwar geht es in seinem Kommentar vor allem um Themen wie Klimawandel und die Energiewende sowie um die „völlig entgleiste“ Debatte um Diesel und Fahrverbote. Doch er spricht zweifelsohne von den gleichen Kreisen, die in der modernen Landwirtschaft nichts anderes sehen als Tierquäler und Landvergifter.

Jetzt ist es zweifelsohne so, dass die meisten dieser Debatten sich um reale Probleme drehen, die nach Lösungen schreien. Selbstverständlich müssen Klimawandel, Hunger und Armut in der Welt und auch Umweltprobleme angepackt werden. Doch die so treffend als „entgleist“ beschriebenen Debatten zeigen, wie sie damit entweder die Spur verlieren oder wie sie irgendwelche Nebengleise zur Hauptstrecke machen. Wer besorgt in eine andere Richtung zeigt, wird einfach überschrien.

Der Kommentar mündet in der Erkenntnis, dass Hysterie keine Grundlage schafft, um Kompromisse zu finden und Lösungen. Stattdessen brauche es ein Klima, in dem Maß und Mitte wieder zurückkehren könnten. Politik habe die Aufgabe, Zielkonflikte aufzulösen und nicht, sich einem ideologischen Superziel zu unterwerfen. Wie wir alle uns genau darum sehnen, tatsächlich einen Diskurs führen zu können, dessen Ende nicht schon vorweggenommen ist. In dessen Verlauf Argumente neutral und sachlich abgewogen werden und aufgrund der Vernunft entschieden wird.

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