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Weltmarkt und Region

Unsere Bauern können beides

Regionales Gemüse
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Sepp Kellerer, Wochenblatt
am
21.06.2018

Regionale Produkte sind „in“. Regional löste bio ab. Doch woher kommt das?

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Was Sie tagein, tagaus auf Ihren Höfen leisten, ist enorm. Sie sichern mit Ihrer Arbeit die Ernährung der Bevölkerung. Nicht nur der heimischen, sondern auch teilweise der Bevölkerung im Ausland. Das hat die Globalisierung so mit sich gebracht. Es werden Lebensmittel über weite Strecken und viele Landesgrenzen hinweg verkauft. Chinesen schätzen zum Beispiel bayerische Milchprodukte sehr. Die reiche Oberschicht in China verschmäht die regional hergestellten Produkte und bevorzugt europäische oder amerikanische Lebensmittel.

Ich möchte hier nicht darauf eingehen, ob der weltweite Handel nun gut oder schlecht ist. Er hat Vor- wie auch Nachteile. Mir fällt jedoch auf, dass seit geraumer Zeit die Regionalität an Fahrt gewinnt und immer populärer wird. Regionale Produkte sind „in“. Regional löste bio ab. Doch woher kommt das? Ich vermute, die komplexe Weltwirtschaft und die Vielschichtigkeit der (Probleme der) Welt fördern das Sehnen nach Einfachheit und räumlicher Nähe. Da vertraut man plötzlich nur noch den Menschen oder Bauern von „nebenan“. Gleichzeitig ist in der Politik ein starkes territoriales Denken zu spüren. „America first“, um nur ein Beispiel zu nennen.

Doch wo soll das hinführen? Sie, liebe Leser, können ja beides: Die Direktvermarkter versorgen die Menschen meist in der unmittelbaren Umgebung mit Ur- oder veredelten Produkten. Gleichzeitig bedienen andere landwirtschaftliche Kollegen den Weltmarkt. Was ist besser? Sollen unsere heimischen Märkte nur noch mit „unseren“ landwirtschaftlichen Produkten versorgt werden? Ich finde nicht. Denn nicht jeder Betrieb eignet sich für die Direktvermarktung. Sei es vom Standort her oder der personellen Ausstattung. Diese Art der Vermarktung ist ein Job, in den oft die ganze Familie eingebunden ist. Das muss für den Betrieb passen. In manchen Fällen ist das nicht der Fall und das ist vollkommen in Ordnung.

Auch am Sonntag auf der Bauernmarktmeile in Nürnberg kam man zu dem Schluss, dass man Export und Direktvermarktung nicht gegeneinander ausspielen dürfe. Deutschland importiere ja auch Lebensmittel. Handel sichert zudem Frieden und sollte daher auch betrieben werden. Ein Denken in Klein-Klein-Strukturen, also immer regionale Produkte zu bevorzugen und die anderen zum Beispiel mit Zöllen zu belegen, finde ich für die Zukunft bedenklich. Lassen wir doch beides nebeneinander bestehen.

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